TV-Rückblick - DER SPIEGEL
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TV-Rückblick

• aus DER SPIEGEL 22/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Live aus Cannes

0.30 - 1.20 Uhr, ARTE

Warum sollen die Glitzerstars dieser Welt nur in Boulevardmagazinen von RTL und Sat.1 herumhüpfen?, dachte man sich beim deutsch-französischen Kultursender Arte: Glamour können wir auch. Und tatsächlich ist es ja eine schöne Idee, jede Nacht live vom Kinofestival in Cannes zu berichten: Die Filmprominenz ist eh da, und sie kam offensichtlich durchaus bereitwillig in die Talkrunden auf dem Arte-Schiff an der Croisette; die schöne Julie Delpy kletterte ebenso an Bord wie Maximilian Schell und Wim Wenders. Doch, o Graus, wie hilflos dümpelten die Arte-Moderatoren mit ihren Fragen dahin: Schlampig vorbereitet und ohne das geringste Anzeichen echter Neugierde versiebten sie etwa die Chance, von Julie Delpy zu erfahren, welche Wirkung jener Festival-Dokumentarfilm auf sie hatte, in dem der frauenfeindliche Schönheitswahn der Kinobranche angeklagt wurde. Wenders mühte sich geradezu rührend, ganz und gar hilflos zusammengefaselte Nicht-Fragen einfach zu ignorieren und trotzdem ruhige und kluge Auskünfte über seine Arbeit zu geben. Der notorisch aufbrausende Maximilian Schell aber fühlte sich hier einmal sehr zu Recht zu einem Zornesausbruch provoziert: Wohl äußerst erregt, dass das Festival seinen Dokumentarfilm über die eigene Schwester Maria nicht angemessen präsentierte, tobte er gegen die Ahnungslosigkeit des Arte-Moderators Marcus Rothe - und sorgte immerhin für einen Fall von herzerfrischender TV-Randale. Für Arte aber war's ein Schiffbruch erster Klasse: Der Glamour wohnte in Cannes anderswo.

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