TV-Rückblick - DER SPIEGEL
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Fernsehen TV-Rückblick

• aus DER SPIEGEL 15/2009
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37°: Leben auf kleinstem Fuß

31. März, ZDF

Armut sei ein »großer Glanz aus innen«, hat Rainer Maria Rilke gedichtet. Ein gewagter Spruch, der einem Dauergast auf vornehmen Schlössern leicht aus der Feder fließt und den Betroffene als billigen Trost empfinden könnten. Und doch ist wohl ein wenig Wahres dran an Rilkes Behauptung. Was man vergangenen Dienstag in der Reportage von Uta von Borries und Stephan Rebelein über eine total verarmte Familie aus Wustermark bei Berlin zu sehen bekam, zeigte unter vielen verzweifelten Tränen auch Kraft, Würde und sogar Stolz auf sich selbst. Der 15-jährigen zweiten Tochter sah man beim Leistungsturnen zu und spürte, dass es dem Mädchen um viel Höheres geht als um sportliche Leistung: den Erhalt der Familie. Der elfjährige Sohn, auch ein hoffnungsvoller Turner, weinte anrührend und unhysterisch, weil er sich um die Verfassung des an Multipler Sklerose leidenden Vaters sorgt. Der wiederum schämte sich ob seiner Arbeitsunfähigkeit. Die Mutter sah man, wie sie unverdrossen und unentgeltlich anderen Jugendlichen in einem Verein Sport beibringt. Die 17jährige älteste Tochter kämpfte erfolgreich um eine Lehrstelle. Die behutsam gedrehten Filmszenen zeigten viel Trostlosigkeit, aber nirgends die selbstgefällige Penetranz eines dem Fatalismus ergebenen Prollkults. Ist das nicht der Glanz, den Rilke meint?

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