TV-Vorschau - DER SPIEGEL
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TV-Vorschau

• aus DER SPIEGEL 29/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Will & Grace

Samstag, 14.30 Uhr, ProSieben

Amerika, du hast es besser: Während Humor in deutschen Produktionen oft halbherzig-läppisch oder geschmacklos daherkommt, beweisen amerikanische Sitcoms, dass man Frivolität, Herzenswärme und Komik durchaus verbinden kann. »Will & Grace« heißt die preisgekrönte, in den USA überaus erfolgreiche Sitcom, deren dritte Staffel jetzt auch in Deutschland anläuft. Im Mittelpunkt der Serie stehen der attraktive schwule Anwalt Will (Eric McCormack) und seine Mitbewohnerin, die heterosexuelle Innenarchitektin Grace (Debra Messing). Beide sind solo, beide sind in gewohnt neurotischer Manier auf der Suche nach dem richtigen Mann und wurschteln sich durch die üblichen Lebensnöte. Dazu kommen der schwule Nachbar Jack und die kapriziöse, reiche Assistentin Karen; beide schwingen gern kesse Reden und gebärden sich ausgesprochen unkonventionell. In der siebten der neuen Folgen geht es um Jacks Verehrung für Sängerin Cher, mit der er alle nervt, bis seine Verzückung unerwartet einen gehörigen Dämpfer erhält - netter, bisweilen brillanter Nonsense, der eigentlich ins Vorabendprogramm gehört.

Zornige Küsse

Samstag, 20.15 Uhr, Vox

Erstaunlich, auf welch unvorteilhafte Weise sich ein reizendes Kind entwickeln kann - in der Pubertät mutiert es zu einem unheimlichen Wesen, das seine Eltern mit Wonne in den Wahnsinn treibt. Lea, 15, raucht Joints, mufft und trotzt ausgiebig und beschimpft den Pfarrer als »Wichser«. Die rebellische Schülerin (Maria Simon) ist demnach ein Neuzugang, wie ihn sich ein gesittetes Klosterinternat nicht wünschen kann. Lea will Musikerin werden und heckt mit Freundin Katrin, die auch dem Internatsleben entkommen will, einen Plan aus: Sie wollen den Pfarrer verführen und ihn danach des sexuellen Missbrauchs bezichtigen, um ihre Entlassung zu provozieren. Wie die Mädchen das angehen und dabei ihre Freundschaft vertiefen, die nicht frei ist von erotischer Anziehung, zeigt Regisseurin Judith Kennel mit viel Herz und psychologischem Feingefühl. Schön anzusehen sind die Nonnen, die in herrlich altmodischer Weise ihre Zöglinge zum Beten, Kartoffelschälen und Singen anhalten. Wieso aber der verantwortungsvolle Priester (gespielt von einem unentwegt bekümmert dreinblickenden Jürgen Vogel) sich dann doch der Versuchung hingibt, wieso Lea sich mit aller Teenagertodesverzweiflung in ihn verliebt und plötzlich die gesamte Internatsmädchentruppe gegen sich hat, bleibt rätselhaft - ähnlich wie die Antwort auf die Frage, was zornige Küsse eigentlich sind und wie sie sich von anderen unterscheiden.

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