TV-Vorschau
Die Sturmflut - Logbuch einer Katastrophe
Montag, 21.45 Uhr, ARD
16. Februar 1962: Auf hoher See braut sich ein Unwetter zusammen. In der Nacht brechen in Hamburg an 60 Stellen die Deiche, ein Fünftel der Stadt wird überschwemmt, 315 Menschen sterben. Lothar Schröder rekonstruierte mit Hilfe von Zeitzeugen und bislang unveröffentlichten Polizeiakten diese Sturmflut. Obwohl im Tonfall etwas zu atemlos, zeichnet Schröder Überraschung, Hilflosigkeit, Chaos und Elend der Nacht genau und detailliert nach - bis hin zu Ausschnitten aus dem DDR-Fernsehen, das gegen den angeblichen Befehl wetterte, auf Plünderer zu schießen.
Der Wannsee-Mörder
Dienstag, 20.15 Uhr, Sat.1
Aus dem Berliner Wannsee heraus torpediert ein Killer Mitglieder einer jugendlichen Segelclub-Clique. Die Polizei versagt, die Eltern sagen wenig - also kümmert sich Jungdesignerin Johanna (Lavinia Wilson) selbst um den Fall, bevor die letzten ihrer Freunde sterben. Und schon bald stößt sie auf den mysteriösen Tod eines Mädchens vor 25 Jahren, an dem die Eltern der Ermordeten offenbar beteiligt waren. Richtig spannend ist dieser routinierte, in seinen Rückblenden sogar raffinierte Horror-Thriller von Tim Krause (Drehbuch) und Jörg Lühdorff (Regie) - aber nur für Zuschauer, die weder »Halloween« noch »Scream« kennen.
Tatort: Wolf im Schafspelz
Sonntag, 20.15 Uhr, ARD
Ein aufgespießter Schafskopf steckt am neuen »Tatort« des Bayerischen Rundfunks (Regie: Filippos Tsitos, Drehbuch: Stefanie Kremser) - und daneben liegt, natürlich, eine Leiche. Erste Spuren führen die Kommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) zum verwitterten Stadlerhof am Münchner Stadtrand, dessen maulfauler Besitzer (Franz Xaver Kroetz) einige Probleme hat: Die Schafzucht läuft nicht mehr, der Sohn will das Anwesen für Yuppies umbauen, der türkische Guts-Ingenieur repariert illegal Autos. Und dann tauchen in einer Scheune Kartons mit verunreinigten Medikamenten auf. Ein verwirrender Krimi, den auch aktuelle Themen wie BSE und Bauernelend nicht retten können. Ein Trost: die Kommissare. Auch wenn das eindrucksvolle Duo wie gewohnt einstecken muss: Als Leitmayr versehentlich an einen elektrischen Weidezaun uriniert, fragt Batic trocken: »Tut weh, oder?«
Peymanns Stuttgarter Kinder
Sonntag, 21.45, 3sat
Eine exhibitionistisch angehauchte Autorin, eine Mutter, die nebenbei Öffentlichkeitsarbeit für eine Waldorfschule erledigt und der Moderator Harald Schmidt - auf den ersten Blick haben diese drei wenig gemein. Sie alle aber, und noch einige mehr, wurden von Claus Peymann geprägt, der das Staatstheater in Stuttgart zwischen 1974 und 1979 in einen sinnlich-intellektuellen Rummelplatz verwandelte, während in unmittelbarer Nähe RAF-Terroristen inhaftiert waren. In ihrem Dokumentarfilm verführt Martina Döcker die Befragten, auch Peymann selbst, zum Plaudern. So referiert Harald Schmidt über seine Black-Panther-Phase, andere gestehen das Fälschen von Schülerausweisen oder schwärmen von irgendwelchen Entjungferungen. Aber auch Stammheim oder die NS-Rich-ter-Vergangenheit des damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger spielen eine Rolle in dieser bestechenden Geschichtsstunde über künstlerisches Revoluzzertum und schwäbisches Bewahren. Am Ende bedauert der Zuschauer beinahe, damals nicht in Stuttgart gelebt zu haben.