TV-Vorschau - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 41 / 98

Fernsehen TV-Vorschau

• aus DER SPIEGEL 48/2008
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Seewolf

Montag, Dienstag, 20.15 Uhr, ProSieben

1971 zerquetschte Raimund Harmstorf als machtbesessener Kapitän Larsen einen angeblich rohen Erdapfel mit einer Hand. Die »Kartoffelszene« in Wolfgang Staudtes Verfilmung des »Seewolfs« von Jack London wurde legendär. Nun darf Thomas Kretschmann ("Wanted«, »King Kong«, »Stalingrad") ans Gemüse. Als brutaler Sozialdarwinist, der seine Crew nach dem Recht des Stärkeren schikaniert, überzeugt er ebenso eindrucksvoll wie einst Harmstorf. Dieses zweiteilige »Abenteuer-Event« (Regie: Christoph Schrewe; Buch: Holger Karsten Schmidt) ist - Glückwunsch - kein bloßes Action-Spektakel, sondern ein Kammerspiel auf See mit philosophischausgefeilten Dialogen und in rührend altmodischer Sprache.

Männer vom Aussterben bedroht

Dienstag, 21.00 Uhr, Arte

Anfangs mag man diesem Film über die abnehmende Zeugungsfähigkeit heutiger Männer nicht so recht glauben. Von einer Gefahr für die Menschheit ist da die Rede. Doch dann offenbart die Dokumentation von Sylvie Gilman und Thierry de Lestrade bittere Studienergebnisse: Die durchschnittliche Spermienzahl habe sich in den vergangenen 50 Jahren bereits um die Hälfte verringert. Schuld seien in ihrer Wirkung unterschätzte Umweltgifte, etwa in Konservendosen, Babyflaschen und Kosmetika.

Das Feuerschiff

Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD

Der friedliebende Kapitän Freytag (Jan Fedder) ist wohl das, was man eine tragische Figur nennt. Nicht nur, dass sein Schiff fast nie den Anker lichtet, weil es anderen als Positionslicht dient; ausgerechnet während der letzten Wache, bevor das alte Feuerschiff von neumodischem Kram ersetzt wird, ereignet sich ein schicksalhafter Zwischenfall: Die Crew nimmt eine Ladung Schiffbrüchiger auf, die sich als schwerbewaffnete Gangster entpuppen. Auf hoher See entspinnt sich ein Psycho-Kammerspiel um Macht und Gewalt. Diese Verfilmung nach einer Siegfried-Lenz-Erzählung von 1960 (Regie: Florian Gärtner) schöpft ihre Spannung aus dem Duell der beiden Antagonisten, Kapitän Freytag und Doktor Caspary (Axel Milberg), Mastermind der Gangster. Der Autor taucht höchstselbst in einer kleinen Szene auf.

Claude Lévi-Strauss

Donnerstag, 22.35 Uhr, Arte

Claude Lévi-Strauss, eigentlich ausgebildeter Philosoph, startete seine Laufbahn als Do-it-yourself-Ethnologe, weil ihn das Fernweh plagte. Was als »universitäre Kleintouristik« am Amazonas begann, mündete in eine der wichtigsten Strömungen der Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts: Lévi-Strauss wurde Begründer einer strukturalen Anthropologie, die ihre Untersuchungsobjekte nicht mehr als Nicht-Zivilisation dachte, sondern wertfrei als eigenes Kultursystem betrachtete. Zum 100. Geburtstag des Forschers, der kürzlich mit der Aufnahme in die prestigeträchtige »Bibliothèque de la Pléiade« geehrt wurde, strahlt Arte von zwölf Uhr an einen Thementag aus. Dessen Herzstück bildet eine Dokumentation über Lévi-Strauss' Leben und Werk. Lévi-Strauss ist es zu verdanken, dass sich die Ethnologie endgültig vom kolonialistischen Klischee des wilden Ureinwohners löste.

Zur Ausgabe
Artikel 41 / 98