TV-Vorschau
Im Schatten des Schakals
Montag, 21.45 Uhr, ARD
Er war zwei Jahrzehnte lang der wohl meistgesuchte Terrorist der Welt, lange bevor Osama Bin Laden finstere Berühmtheit erlangte: Ilich Ramírez Sánchez, genannt Carlos, Spitzname »Der Schakal«, mordete, kidnappte und bombte in vielen Ländern. 1997 wurde Carlos in Paris zu lebenslangem Gefängnis verurteilt. Zu Carlos' Helfern gehörten seit den siebziger Jahren auch Deutsche; eine von ihnen, Magdalena Kopp, wurde später die Ehefrau des Terroristen. »Carlos hat keine Skrupel, kennt keine Moral und ist größenwahnsinnig«, sagt Kopp heute - in der sehenswerten Dokumentation von Oliver Schröm und Michael Wech, die die Rolle der »Revolutionären Zellen« im internationalen Terrorismus recherchiert haben, äußert sie sich erstmals vor der Kamera.
Mein langsames Leben
Montag, 23.55 Uhr, ZDF
ist in der Tat bemerkenswert langsam: Die Berliner Filmemacherin Angela Schanelec, 40, verblüfft durch einen rigorosen Stil der langen, starren Einstellungen. Dieser Formalismus ist für den Fernsehzuschauer erst mal eine Zumutung - doch wer sich nicht abschrecken lässt, der wird in diesem Gruppenporträt zum Auftakt der ZDF-Reihe »Berlin Echtzeit« eine große (und ziemlich deutsche) Begabung zum Unglücklichsein entdecken: Im Verlauf eines Sommers folgt Schanelec einer apathischen, ziellos umherziehenden Architekturstudentin und den Menschen, die ihr begegnen - meist Mittdreißiger, gebildet, zwischen Bürgertum und Boheme angesiedelt und von ihrem Leben enttäuscht, überfordert oder ermüdet. Obwohl es an dramatischen Vorfällen - einer Affäre, einer Ehekrise, einem Todesfall - nicht mangelt, wirken die Bilder »sommerlich heiter, luftig und leuchtend«, lobte die »Süddeutsche Zeitung": »ein schöner Kontrast zur Melancholie der Figuren«.
Geliebte Diebin
Donnerstag, 20.15 Uhr, ProSieben
Vor kurzem versuchte die Aktrice Bettina Zimmermann, im knappen BH leichtsinnige Zuschauer für Leo Kirchs klammen Bezahl-Kanal Premiere zu werben; der Erfolg hielt sich bekanntlich in Grenzen. In Thomas Roths »actionreichem Liebesfilm« (Sender-Info) gibt Zimmermann nun eine Meisterdiebin, die ProSieben kühn in der Tradition der Pariser Juwelenräuberin Irma Vep sieht. Leider falsch: Im Gegensatz zur schön stummen Irma - der Tonfilm war bei ihrer Kinopremiere 1915 noch nicht erfunden - quatscht Zimmermann jeden Anflug von erotischer Spannung in Grund und Boden.
Herz oder Knete
Freitag, 20.15 Uhr, ARD
In Filmen wie diesem, dem ersten der Reihe »Lauter tolle Frauen«, wirkt das Fernsehen wie ein Kavalier der zu alten Schule. Seit 1999 hält die Firma Ziegler-Film im Auftrag der ARD-Tochter Degeto wackere Damenreden zum Lob von meist tapferen, charakterstarken und gelegentlich kessen Frauen, die sich nichts vormachen lassen, von Männern schon gar nichts. Die gute pädagogische Absicht verstimmt trotzdem, denn der Zwang zu Heiterkeit und Happy End legt sich erdrückend und unrealistisch über die Geschichten. In diesem Film (Regie: Michael Rowitz) hat der Zuschauer daran zu schlucken, dass Gudrun Landgrebe, 51, sonst Symbol für somnambule Vornehmheit, die standesbewusste Anführerin einer Putzkolonne darstellt, die stolz den Werbungen ihres Chefs (Günther Maria Halmer) widersteht, bevor sie ihnen am Ende doch erliegt. Statt sich dem Problem sozialer Unterschiede zu stellen, überzuckert »Herz und Knete« die Handlung. Frauen sind trotzdem toll.