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TV-Vorschau

• aus DER SPIEGEL 17/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frauen lügen besser

Montag, 20.15 Uhr, ZDF

Drei Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs: Lektorin Anna (Natalia Wörner) ist unglücklich verliebt und wird von ihrem neuen Chef (Rufus Beck) gepiesackt, Saftverkäuferin Sigi (Rebecca Immanuel), ebenfalls verliebt, wird von Thomas (Richy Müller) abserviert, Journalistin Henriette (Nicole Heesters), Mitte 50, wird von ihrer Zeitschrift gefeuert - klarer Fall von Altersrassismus. Was tun? Gewitzt entwickeln die drei vergrämten Grazien einen Plan, um die Welt hinters Licht zu führen. Wie das läuft und schief läuft, ist in dieser Komödie des Erfolgsduos Annemarie Schoenle (Drehbuch nach ihrem gleichnamigen Roman) und Regisseurin Vivian Naefe auch als Wiederholung höchst unterhaltsam anzusehen. Pointierte Dialoge, Schauspieler, die mit offensichtlicher Spielfreude agieren, und ein überraschender, satirisch überzeichneter Schluss zeigen: Frauen lügen, ohne mit der getuschten Wimper zu zucken.

Klaras Hochzeit

Donnerstag, 21.00 Uhr, ARD

Wenn die Liebe in die Jahre kommt, könnte diese Komödie auch heißen, die an manchen Stellen wirkt, als hätten Schauspieler und Regisseur mitunter das Drehbuch in den Müll geschmissen und drauflosimprovisiert. Wen das nicht stört, der wird sich gut unterhalten: Klara (Christiane Hörbiger) will heiraten - und zwar einen Kerl, der sie zärtlich »Radieschen« nennt. Mit dem kann das nichts werden, erkennt auch Nebenbuhler Enrico: »Da steht die Sonne«, schnauzt er Klaras Verlobten an, »und Sie reden von Gemüse.« Mit in die Geschichte (Buch: Johannes Reben, Regie: Christian Görlitz) reingerührt werden erschwindelte EU-Gelder, steinalte Mütter, die in Bäumen herumklettern, Olivenbäume bei Assisi, über denen angeblich ein stiller Zauber liegt. Es geht noch eine Weile hin und her, bis die schöne Klara sich schließlich - mit einiger Berechtigung - fragt: Warum sollte frau einen spießigen Beamten heiraten, wenn sie einen glutäugigen Italiener haben kann?

Tatort: Schlaraffenland

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Die unabsehbaren Risiken einer Beziehung am Arbeitsplatz - auch so ein Thema, das mal dringend in einem »Tatort« behandelt werden musste. Das amouröse Dienststellen-Desaster überfällt die Krimi-Debütantin Eva Mattes, die als Hauptkommissarin Klara Blum von dieser Woche an zweimal pro Jahr für den SWR in Konstanz auf Verbrecherjagd geht. Ihre Ehe mit TV-Gatte Martin (Michael Gwisdek) kriselt gewaltig, und auch der erste Fall ist heikel: Unter einem Obstbaum in Bodensee-Nähe wird ein kleiner Junge ermordet aufgefunden. Dringend tatverdächtig ist Wolfi, der geistig zurückgebliebene Sohn eines Landhandel-Besitzers. Das ermittelnde Ehepaar Blum diskutiert jedoch hingebungsvoll Beziehungsprobleme, statt den bewaffneten Wolfi (Alexander Beyer) wieder einzufangen, der Herrn Blum nach der ersten Festnahme flott wieder entwischt ist. Auch sonst stellt sich das Kripo-Paar derartig dämlich an, dass die Polizeidirektion Konstanz wegen akuter Unfähigkeit der Führungsebene sofort dichtgemacht werden müsste. Zudem entfalten die arg ausgewalzte Story von Stefan Dähnert und die bemühte Regie von Regisseurin Nina Grosse nur als Fernsehsessel-Sedativum eine befriedigende Wirkung. Ihren ersten Fall am Bodensee hat Klara Blum gründlich verpatzt. Beim nächsten Fall wird alles anders, nicht wahr?

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