Üppige Treuhand-Renten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 6 / 105

Üppige Treuhand-Renten

• aus DER SPIEGEL 22/1992
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Bundesrechnungshof erhebt schwere Vorwürfe gegen die Berliner Treuhandanstalt. In einem Bericht für das Bundesfinanzministerium werden vor allem die Führungskräfte der Treuhand beschuldigt, sich auf Kosten des Steuerzahlers zu bedienen. Die betriebliche Altersversorgung für Leitungskader gehe »über das in der Wirtschaft übliche Maß hinaus« und »übertrifft auch das im allgemeinen als günstig erachtete Versorgungssystem des Öffentlichen Dienstes«. Jedem normalen Treuhänder steht eine Unfall- und eine Risiko-Lebensversicherung zu. Der Vorstand genehmigte sich, seinen Direktoren, Abteilungs- und Referatsleitern darüber hinaus eine üppige Zusatzrente. Ein 47jähriger Abteilungsleiter, so die Rechnung der Prüfer, erhöht in nur fünf Treuhand-Jahren seine gesetzliche Rente um 14 100 Mark pro Jahr. Wie der Bundesrechnungshof in seinem ersten Bericht über die Anstalt von Treuhand-Chefin Birgit Breuel weiter kritisiert, werden durch Zusatzversicherungen eine Vielzahl von Risiken »mehrfach abgesichert«. Auch der private Bereich sei »rundum abgedeckt«. Die Einbeziehung der Referatsleiter in den Kreis der Führungskräfte sei »großzügig«, aber »nicht hinreichend nachvollziehbar«. Bundesfinanzminister Theo Waigel wird unmißverständlich aufgefordert, die Selbstbedienung der Anstaltsmanager zu beenden. Die Versorgung der Führungskräfte, heißt es in dem Bericht, müsse »auf ein angemessenes Maß beschränkt« werden.

Zur Ausgabe
Artikel 6 / 105