Um ein Notizbuch - DER SPIEGEL
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AFFÄREN Um ein Notizbuch

• aus DER SPIEGEL 32/1952
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Letzte Woche wurde der Chef des Pariser Büros der Nachrichten-Agentur »International News Service«, Joseph Kingsbury-Smith, zu den französischen Justizbehörden zitiert. KP-Chef Jacques Duclos, am 28. Mai während der Anti-Ridgway-Kundgebungen in Paris verhaftet und inzwischen wieder freigelassen, hatte Klage eingereicht. Bei seiner Entlassung aus dem Pariser Gefängnis Santé hatte ihm der Asservaten-Beamte alle bei Duclos beschlagnahmten Papiere wieder ausgehändigt. Es fehlte nur Duclos' persönliches Notizbuch.

In der Ausgabe der »New York Times« vom 16. Juli und im Pariser »Figaro« vom 17. Juli konnte sich dann der stellvertretende KP - Generalsekretär sein verlorengegangenes Notizbuch fotokopiert ansehen. Der abgedruckte Inhalt enthält viel Selbstkritik, daneben sattsam bekannte Programme über die Zersetzungstaktik gegen die Sozialisten und Propagandaphrasen über den Bakterien-Krieg. Nicht viel Sensationelles.

Aber nicht nur Duclos, sondern auch angesehene Pariser Zeitungen wie »Le Monde« und der scharf antikommunistische »Franc-Tireur« fragten, wie das Notizbuch aus dem Asservatenschrank des Polizei-Präsidiums auf den Redaktions-Tisch der Agentur I. N. S. gekommen sei. Dem Justiz-Ministerium blieb nichts übrig, als eine Untersuchung gegen »unbekannt« wegen Beamtenbestechung und Veröffentlichung von Akten eines schwebenden Verfahrens einzuleiten.

I. N. S.-Chef Kingsbury-Smith bewies dem Untersuchungsrichter Goletty, daß nicht er, sondern sein Londoner Kollege das Notizbuch Duclos' erhalten und nach New York weitergeleitet hatte. Er versicherte außerdem, daß die Aufzeichnungen ohne jegliche Korruption an I. N. S. gekommen seien.

Fragte sich Richter Goletty, wie das Notizbuch nach London gelangen konnte. Als Sündenbock soll nun dem Polizeikommissar Verdaxaire das Fell über die Ohren gezogen werden. Obgleich Goletty weiß, daß Polizeipräsident Baylot schon am Tage nach der Verhaftung von Duclos sagte: »Ich hoffe, daß diese Aufzeichnungen veröffentlicht werden.« Bei seinem Amtsantritt vor einem Jahr erklärte er: »Ich betrachte mich mit Rußland und dem französischen Kommunismus als im Kriege befindlich.«

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