UNRUHE - DER SPIEGEL
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Briefe

UNRUHE
• aus DER SPIEGEL 41/1968
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UNRUHE

(Nr. 38/1968, Studenten)

Im SPIEGEL hatten Sie ein Interview mit dem Frankfurter SDS-Mitglied Burkhard Bluem abgedruckt. Darin wird unverhohlen die Forderung aufgestellt: »Zerschlagt die Bundeswehr!« Außerdem will der SDS sich dafür einsetzen, daß die Bundeswehr handlungsunfähig wird. Der Truppe wird vorgeworfen, daß sie nicht primär das Ziel hätte, das Land zu schützen, sondern die Aufgabe, etwaige innere Unruhen zu ersticken. Wenn das tatsächlich das innenpolitische Ziel der Bundeswehr wäre, hätte sie schon bei den unrühmlichen vergangenen Unruhen des SDS eingesetzt werden können. Das wurde unterlassen. Also ist die Behauptung böswillig, falsch und aus der Luft gegriffen. Die Forderung »Zerschlagt die Bundeswehr!« ist politische Dummheit höchster Potenz.

Mainz FRITZ KLINGELHÖFER

möchte ich folgendes bemerken:

1. Die Ansicht der Revolutionäre im SDS, die Bundeswehr habe infolge der Notstandsgesetze primär die Aufgabe, Innere Unruhen zu unterdrücken, ist eine bewußt falsche Interpretation des Gesetzestextes, um ihre in diesem Punkt unsachliche Argumentation gegen die Notstandsgesetzgebung aufrechterhalten zu können. In dem Gesetzesartikel heißt es unmißverständlich, daß die Bundeswehr nur gegen »militärisch bewaffnete« Aufständische, sofern die Polizeikräfte nicht mehr ausreichen, herangezogen werden darf. Daraus geht ganz deutlich hervor, daß die Bundeswehr in keinem Fall direkt gegen Studentendemonstrationen einschreiten kann, wie das weitläufig die irrige Annahme ist. 2. Die Methoden, mit denen der SDS versucht, die Parole »Zerschlagt die Bundeswehr« in die Tat umzusetzen, sind ein abscheulicher Mißbrauch der freien menschlichen Gewissensentscheidung. Es ist einfach inkonsequent, wenn man einerseits die Manipulation der Meinung berechtigterweise verurteilt, wie das der SDS tut, und andererseits aber selbst das Gewissen zu manipulieren versucht. Die Möglichkeit, in der Alternative zwischen Ersatzdienst und Wehrdienst, das Gewissen entscheiden zu lassen, sollte nicht für solch einen Versuch mißbraucht werden. Allensbach

REINHARD GöPFERT

Bevor Herr Bluem vom SDS die Bundeswehr abschafft, möchte ich noch schnell eine Frage an ihn richten: Wo liegt der Unterschied zwischen seinen Äußerungen über die Bundeswehr und einer jeglicher Wahrheitsgrundlage entbehrenden Polemik?

Mallorca (Spanien) RAINER KUNZMANN Leutnant

Nach meiner Ansicht und den letzten Ereignissen, kann die Bundeswehr gar nicht stark genug sein. Solche angebenden Akademiker haben entweder das Hirn mit Brettern so vernagelt, daß man es mit Brecheisen nicht mehr herunterbringt, oder es sind bezahlte Agenten, welche es nach dem Benehmen der SDS-Mitglieder genug geben wird. Ich bin nur neugierig, wann man diesen »Genossen« das Handwerk legen wird. Die sollen doch ruhig nach dem Osten abwandern, wenn es ihnen in der Bundesrepublik nicht gefällt. Dort würde man ihnen vor allem die Haare schneiden, und ich glaube bestimmt, daß diese Bürschchen der Bundesrepublik sehr bald nachjammern würden, wenn wir einmal eine andere Staatsform bekommen sollten, ich sage nur sollten. Genauso jammert man heute noch dem alten Staat Österreich-Ungarn nach und der ersten Tschechoslowakischen Republik. Noch nie in der deutschen Geschichte hat der Deutsche so frei gelebt wie in der Bundesrepublik, unter Bismarck nicht, unter Willi nicht und schon gar nicht unter »Schicklgruber«. Ein jeder vernünftig denkende Mensch sollte unseren Staat in Schutz nehmen und verteidigen, so gut er kann, wenn auch nicht alles so hundertprozentig in Ordnung ist, wie es sich die Leute wünschen. Man kann nicht jedem Menschen alles recht machen, auch in einem Staat nicht. Auf jeden Fall sollten wir uns alle dagegen wehren, daß man von grünen dummen Jungen alles zerstören lassen will, was man in 23 Jahren aufgebaut hat. Weißenburg (Bayern)

STEFAN ZECHMEISTER

Fanden Sie die niedlichen Äußerungen des Herrn Bluem und seiner Gespielen in der Tat so interessant, ihm hierfür eine halbe Seite zu widmen. Die pupertären Ansichten solcher Vorgartenrevoluzzer« erwarte ich allenthalben im »Hohlspiegel« zum allgemeinen Amüsement.

Weniger unterhaltsam allerdings wird die Sache dadurch, daß es sich hierbei um kommende Akademiker, die sogenannte

geistige Elite der Bundesrepublik handelt. Ich habe bisher bei jedem Rekruten mehr demokratischen Verstand vorgefunden als Herrn Bluem jemals träumen wird. Von dieser Seite darf er somit nach meinen Erfahrungen keinerlei Unterstützung erwarten. Wichita Falls, Texas (USA)

UWE HORBACH Leutnant

selten so gelacht! »In erster Linie stellt die Bundeswehr eine Bedrohung der Bevölkerung dar.« Man kann die Notstandsgesetze auch etwas stark dramatisieren. Aber wahrscheinlich muß man erst neun Semester Soziologie studiert haben, um ein so kindliches Urteilsvermögen zu erlangen. Herr Bluem sollte doch lieber erst einmal Dienst in der Bundeswehr tun, bevor er sie »zerschlagen« will.

Helmstedt (Nieders.) WALTER FUHRMANN

... möchte Herrn Bluem doch dringend raten, sich auf seine geistige Zurechnungsfähigkeit untersuchen zu lassen. Wie kann man nur behaupten, daß die Bundeswehr eine ernste Bedrohung für die Bevölkerung ist? Was nimmt sich Herr Bluem vom SDS überhaupt heraus, wenn er öffentlich aufruft, den Dienst an der Waffe zu verweigern? Eine Bundeswehr, und die damit verbundenen Ausgaben von Milliarden Geldern sind meiner Meinung nach einfach notwendig, um uns das zu erhalten, was unsere Väter aus den Trümmern von 1945 geschaffen haben. Eine starke Bundeswehr ist doch ein Garantieschein und eine feste Basis dafür, daß wir in einem freien, demokratischen Land ungezwungen und im Wohlstand leben können.

Was Herr Bluem dem SPIEGEL sagte, zeigt klar an, daß sein Horizont nicht länger als seine Arme ist.

Wenden (Nieders.) J. SCHAPER

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