BIAFRA / SÖLDNER Unser Kampf
Über ein Jahr lang focht der Deutsche Rolf Steiner für Biafra gegen Nigeria, dann -- Mitte November -- verjagten ihn die Biafraner.
Als Nigerias rebellierende Ostprovinz Biafra erst an wenigen Stellen vom Gegner besetzt war, hatte Rebellen-Chef Chukwuemeka Odumegwu-Ojukwu den Kämpfer für Geld angeworben. Jetzt, da fast ganz Biafra erobert ist und jeden Tag 10 000 Zivilisten verhungern -- bis Mitte Januar werden zwei Millionen Menschen gestorben sein, schätzt das Uno-Kinderhilfswerk Unicef -, wies Ojukwu den Söldner-Veteranen aus.
Ojukwu: »Unseren Existenzkampf von weißen Söldnern führen zu lassen, widerspricht allem, woran wir glauben. Dies ist unser Kampf » -- Schwarz gegen Schwarz, Biafra gegen Nigeria.
Ojukwus Erkenntnis kam unerwartet. Letztes Jahr noch hatte der bärtige Schwarze erklärt: »Ich würde meinem Volk einen schlechten Dienst erweisen, wenn ich nicht jedes verfügbare Mittel zu unserer Verteidigung einsetzte.«
Zu den »verfügbaren Mitteln« rechnete er auch die weißen Söldner -- meist Veteranen aus den blutigen Kongo-Wirren wie etwa die britischen Majore Michael ("Mad Mike") Roare, einst Führer des Fünften Kongo-Kommandos, und Alistair Wicks, einst Mad Mikes Stellvertreter,
Während Wicks in London bereits Ex-Offiziere zum Kampf für Biafra warb (Sold pro Monat: rund 4000 Mark) besuchte Hoare erst einmal den Kriegsschauplatz -- und riet dann in der »Times« allen Söldner-Kollegen vom Dienst in Westafrika ab,
Statt der Engländer kamen Franzosen nach Biafra -- laut »Times« 80 Mann, nach französischen Quellen sogar 200. Ihr Anführer: Oberst Roger Faulques, Er hatte einst Moise Tshombés Katanga im Kampf gegen Kongo und Uno geholfen, jetzt half er Biafra gegen Nigeria.
Doch nicht lange, Schon nach kurzer Zeit zog der größte Teil des Faulques-Fähnleins wieder ab. Zurück blieb ein knappes Dutzend Veteranen unter dem Obersten Rolf Steiner.
Steiner, 38, einst Hitlerjunge, dann zwölf Jahre lang Fremdenlegionär in Indochina und Algerien, war für Geld nach Biafra gekommen. Er blieb, um »für die Freiheit des Landes« zu kämpfen, und verzichtete sogar auf seinen Sold,
Biafra-Chef Ojukwu machte den Deutschen zum Kommandeur einer Spezialeinheit, Biafras Vierter Kommando-Division, Ihr Kennzeichen: ein Totenkopf und die rotgrüne Fahne von Frankreichs Fremdenlegion; ihr harter Kern: acht erfahrene, von Steiner sorgfältig ausgewählte Söldner -- aus Wales, Irland, Rhodesien, Südafrika.
Auch bei der Auswahl der Mannschaften konnte Steiner sorgfältig sieben; Biafras Rekruten drängten zum Dienst in der Totenkopf-Einheit, die schnell legendären Ruhm erwarb -- vor allem beim nigerianischen Gegner. Oberst Adekunle etwa, Chef der nigerianischen Dritten Division, klagte, seine Soldaten hätten das Gefühl, gegen Frankreichs ganze Armee zu kämpfen.
Ojukwus Rebellen-Provinz profitierte vom Ruf der Steiner-Truppe -- und von Frankreichs Hilfe beim Waffennachschub, Doch als Nigerias Vormarsch stockte, da murrte Ojukwus Ibo-Armee. Biafras schwarze Offiziere zürnten dem weißen Kommando-Star Steiner. Sie
* mißgönnten dem Vierten Kommando den Ruf, Biafras beste Truppe zu sein;
* kritisierten, daß Steiner direkten Zugang zu Staatschef Ojukwu hatte und den Armee-Instanzenweg umgeben durfte;
* erregten sich darüber, daß der weiße Söldner stets die besten Waffen bekam.
Vor allem aber argwöhnten sie, Biafras französische Waffenlieferanten hätten dem ehemaligen Fremdenlegionär eine Sonderrolle in der Führung des Landes zugedacht.
Als Mitte November Spezialwaffen in Biafra eintrafen, die angeblich nur für Steiner bestimmt waren, beschlossen die Schwarzen, sich selbst zu helfen: Biafra-General Mbadwu requirierte die Sendung für sich.
Der Oberst stellte den General zur Rede, ohrfeigte ihn und fuhr im Jeep nach Umuahia, um Ojukwu zu berichten.
Doch diesmal ließen die schwarzen Posten den weißen Mann nicht unangemeldet zum Regierungschef. Als Steiner die Wächter niederzufahren drohte, wurden er und seine weißen Kollegen gefesselt und festgesetzt.
Zwar ersparte Ojukwu dem schlagfertigen Söldner Kriegsgericht und Degradierung, doch um einen Aufstand seiner Ibo-Offiziere zu verhindern, mußte sich der Biafra-Chef von seinem Legionär und dessen weißen Kämpfern trennen. Sie wurden per Flugzeug In die Gabun-Hauptstadt Libreville abgeschoben.
Ojukwu: »Wir mögen Söldner nicht sehr gern. Biafras Problem ist das weltweite Problem des schwarzen Mannes und seiner wahren Unabhängigkeit.«