Vater eingeschaltet - DER SPIEGEL
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ENTWICKLUNGS-INSTITUT Vater eingeschaltet

• aus DER SPIEGEL 34/1962
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Bundeskanzler Adenauer nutzte die

Abwesenheit des zuständigen Ressortministers Walter Scheel, um die ihm aus langer Oberbürgermeister - Tätigkeit verbundene Domstadt Köln als Domizil der Deutschen Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit mbH (Entwicklungsgesellschaft) zu küren, die noch in diesem Monat gegründet werden soll.

Der Zeitpunkt war gut abgepaßt: Vier FDP-Minister waren abwesend. Bundes -Entwicklungshelfer Scheel weilte auf Reisen in Südamerika (Scheel: »Aber ohne Scheckbuch"). Bundesfinanzminister Starke wie Vertriebenenminister Mischnick waren im Urlaub und Bundesschatzminister Lenz mit seinem Parteichef Mende in außenpolitischer Mission nach London abgereist. Dadurch hatte sich die Phalanx jener Kabinettsmitglieder erheblich geschwächt, die Konrad Adenauer zu trotzen und das neue, mit 75 Millionen Mark Steuergeldern ausgestattete Institut nach Hamburg zu legen beabsichtigte.

Die Gesellschaft soll vor allem kleine und mittlere Betriebe, die bisher keine Auslandserfahrungen sammeln konnten, zu Investitionen in Übersee animieren. Unter diesen Umständen empfahl sich Hamburg als Sitz der Gesellschaft von selbst, denn die Hansestadt beherbergt - 3000 Außenhandelsfirmen mit 400 eigenen Niederlassungen in den entwicklungsbedürftigen Gebieten der Welt,

- im Ausland anerkannte private Vereinigungen wie den Afrika-Verein, den Ibero-Amerika-Verein, den Nah - und Mittelost-Verein sowie den Ostasiatischen Verein,

- die Universität, an der 30 vornehmlich afrikanische und asiatische

Sprachen gelehrt werden, und zahlreiche Fachinstitute,

- seit Jahrzehnten außenwirtschaftlich orientierte Banken und nicht zuletzt

- das Gros der ausländischen Konsulate.

Der Hamburger Senat, vom Bonner Entwicklungsministerium unterstützt, zweifelte deshalb nicht an der Wahl der größten Außenhandels- und Industriestadt zum Sitz der Gesellschaft.

Freilich entging den Befürwortern, daß noch rechtzeitig vor der entscheidenden Kabinettssitzung der Kölner Oberstadtdirektor Max Adenauer mit dem vormaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer Kontakt aufgenommen hatte.

Max Adenauer beschwor Vater Konrad, durch die Ansiedelung der Entwicklungshelfer in Köln zugleich Entwicklungshilfe für die rheinische Metropole zu leisten. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Meyers wußte dem Kanzler zu bedeuten, gerade viele der zur Entwicklungshilfe aufgerufenen mittelständischen Betriebe seien an Rhein und Ruhr ansässig.

So traf es sich gut, daß ihm Kabinett außer Ludwig Erhard nur noch FDP -Stammberger die Anti-Köln-Fronde vertreten, konnte. Der Hamburger Kaufmann und Entwicklungsexperte der Bonner Sozialdemokraten, Hellmut Kalbitzer, kommentierte denn auch den Beschluß, Köln zu wählen: »Da war der rheinische Klüngel beisammen.«

Im Kabinett kam nicht zur Sprache, wie die Kölner Entwicklungsfirma ohne hanseatische Auslandsbeziehungen auskommen will. Westdeutschlands Botschaften in den Entwicklungsländern sind, als Regierungsdienststellen, für die kommerziellen Transaktionen naturgemäß nicht geeignet, und ohne die Pfadfinder des Außenhandelsgeschäfts werden sich die mittelständischen Unternehmer im Busch kaum zurechtfinden. Kalbitzer: »Die kommen sowieso später in Hamburg oder Bremen an, um sich zu erkundigen.«

Hamburgs Senat will deshalb versuchen, mit sachlichen Begründungen den Köln-Entscheid des Bundeskanzlers rückgängig zu machen. Der freidemokratische Zweite Bürgermeister Engelhard wartet nur die Rückkehr aller FDP-Minister nach Bonn ab.

Heimatförderer Max und Konrad Adenauer: Sieg für Köln

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