Vati auch bald dabei - DER SPIEGEL
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Artikel 77 / 88

Briefe

Vati auch bald dabei
• aus DER SPIEGEL 28/1981
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Vati auch bald dabei

(Nr. 25/1981, SPIEGEL-Titel: »Aufmarsch gegen die Rüstung")

Ich lebe seit zehn Jahren in Deutschland. Es stimmt einen bitter, wie einfach in Deutschland gute Begriffe zu negativisieren sind. Sozialist, intellektuell, Pazifist werden hierzulande kriminalisiert.

Uhldingen-Mülhofen (Bad.-Württ.) MOKTAR CHARRAD

Jahrelang war das Thema Krieg für meine Eltern (beide erlebten den Zweiten Weltkrieg) tabu. Vor wenigen Wochen erklärte mir meine Mutter, daß sie am nächsten Friedensmarsch teilnehmen werde, was mich überraschte, aber auch gefreut hat! Und Vati wird wohl auch bald dabeisein.

Korb (Bad.-Württ.) VOLKER WENDEL

Die Aussage eines jungen Menschen über seine Angst muß jeder Politiker sehr ernst nehmen. Statt eines Argumentes, das einen 17jährigen Fragesteller hätte beruhigen können, fällt unserem Bundeskanzler nur ein, von seiner Angst zu reden, die uns noch mehr verstört.

Ein wahrhaft beängstigender Gedanke, zu dem mich dieser Politiker führt, der sich gerne in der Rolle des »Machers« gefällt. Er »macht« mir Angst, sein Reden und Handeln hat für mich an Glaubwürdigkeit verloren.

Battenberg (Hessen) PFARRER GERHARD HOTZ

Unser Problem ist folgendes: Wir laden junge Menschen ein. Die bringen alles mit, was zwischen den Parteien und ihnen nicht mehr besprochen wird. Wir nehmen das Gespräch auf, damit überhaupt jemand mit ihnen redet, und lassen uns anschließend von den Hütern der politischen Moral bescheinigen, wir mischten uns in die Politik ein.

Ich wünschte mir, daß unsere etablierten Parteien sich irgendwann einmal einem offenen und ehrlichen Gespräch stellten, ehe es keine andere Lösung mehr gibt als die, neue Parteien an Stelle der alten zu erfinden.

Stuttgart PFARRER DR. JÖRG ZINK

Fänden sich die jungen Leute mit dem west-östlichen Wettrüstungswahnsinn, zu dessen absurdesten Auswüchsen der sogenannte Nato-Doppelbeschluß gehört, still und brav ab, müßte man an ihnen verzweifeln.

Leutkirch (Bad.-Württ.) HANS WITTEK

Nachrüstung statt Bafög! Bei uns laufen schon genug Vollidioten und geistige Scheiße wie Studenten über 25, Psychologen, Politologen und Soziologen herum.

Braunschweig (Nieders.) H. HENKER

Wie sagt Lech Walesa: »Die Pflicht der Regierung, und zwar in jedem Land, ist es, eben das zu tun, was die Bevölkerung will« (SPIEGEL 25/ 1981). Wollen wir den Nato-Doppelbeschluß, Herr Bundeskanzler?

Paderborn (Nrdrh.-Westf.) BODO MAACK

Kuppeln wir uns ab von dem selbstmörderischen Konvoi, genannt Nato. Der US-amerikanische Cowboy-Krimi »Glory glory glory Number one« droht mit einem germanischen Armageddon zu enden. Warten wir Statisten nicht auf unser Stichwort. Geben wir S.8 unser Rollenheft an der Garderobe ab: Der dritte germanische Krieg fände nicht statt. Kein eisernes Kreuz auf Mittelstreckenraketen und kein letztes Kreuz über Mitteleuropa. Kein US-Air-Force-Captain verwechselte weiterhin Kiel mit Kiew.

Hamburg ERICH KROHN Vorstandssprecher FDP-Bezirk Hamburg-Mitte

Alle überzeugten Anhänger einer alleuropäischen Gemeinschaft müssen mit großer Unruhe sehen, wie der deutsche Bundeskanzler seine frühere europäische Einstellung aufgegeben hat und jetzt eine lautere amerikanische Auffassung bekommen hat.

Stockholm LENNART TELANDER

Laßt uns an der »holländischen Krankheit« genesen! Nulla servitus turpior est quam voluntaria (Seneca).

( Die tiefste Verachtung verdient, wer ) ( sich freiwillig zum Sklaven macht. )

Kandern (Bad.-Württ.) ELISABETH WÖRL

Unser Ziel sollte zunächst sein, den Ostblockstaaten zu zeigen, daß die Weltrevolution militärisch aussichtslos ist, weil die ökonomische Schwäche der Planwirtschaft dies nicht zuläßt, und diese Staaten mit der Zeit in Freundschaft davon zu überzeugen, daß sie selbst aus parlamentarischer Demokratie und sozialer Marktwirtschaft trotz aller Schwächen dieser Systeme den größeren Nutzen ziehen.

Wenn alle mächtigen Staaten der Erde die parlamentarische Demokratie haben, wird die Welt wirklich reif sein für eine allgemeine Abrüstung.

Remseck (Bad.-Württ.) DR.-ING. KURT ZIESCHE

Wenn der Anspruch der Bergpredigt Jesu unbedingt verpflichtend für diejenigen ist, die daran glauben, und wenn dieser erlösende Anspruch inkarnatorisch relevant ist, dann hat er auch notwendig eine politisch-geschichtliche Dimension. Wenn also die Rede von der Nachfolge nicht reines Gerede sein soll, dann ist der Christ unausweichlich aufgerufen, nach den der Bergpredigt entsprechenden Alternativen zur gegenwärtigen Form der Friedens-»Sicherung« zu suchen: und dies angesichts des Hungertods von Millionen von Menschen, des möglichen nuklearen Weltkrieges und des schon angebahnten Zusammenbruchs des ökologischen Systems auf Grund des durch das Wettrüsten mitverursachten exponentiellen Wirtschaftswachstums.

Wien P. HERWIG BÜCHELE, SJ Katholische Sozialakademie Österreichs

Die Strategen und Politiker der Massenvernichtung von gestern haben heute in führenden Politikern und Generalen in Deutschland, in den USA und der UdSSR ihre noch potenteren Nachfolger gefunden.

Bonn MICHAEL DÜLLMANN im Vorstand der Jüdischen Gemeinde S.9

Nicht nur die Massenorganisation wie der Bund der Deutschen Katholischen Jugend, sondern auch eine weitere Massenorganisation der katholischen Kirche wie die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands hat sich dezidiert zum Frieden geäußert.

Zitat: »Ein Weltkrieg im Zeitalter der Atombombe birgt die Gefahr der völligen Zerstörung der Menschheit, deshalb sollen Atomwaffen geächtet und beseitigt werden.«

Düsseldorf BERTHOLD L. FLÖPER Bundesvorstand des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend

Sie schreiben, daß die Jugend auf dem Kirchentag mißtrauisch gewesen sei »gegen die Verblasenheit und Doppelbödigkeit der politischen Sprache«.

Handelt es sich vielleicht um einen Druckfehler? Muß es nicht heißen »gegen die Aufgeblasenheit und Doppelblödigkeit der politischen Sprache«?

Hat wirklich jemand erwartet, die Jugend würde auf den Schwindel »Abrüstung durch Nachrüstung« hereinfallen?

Coesfeld (Nrdrh.-Westf.) DR. JUR. OTTO BRÄUTIGAM

Auf dem Hamburger Kirchentag wurden Moskaus Interessen ganz gut vertreten. Pax Sovietica kam eindeutig zum Vorschein.

Kriftel (Hessen) DIONYSOS KULCZYCKY

Auf einer Herrentoilette an einer Autobahnraststätte bei Köln fand ich kürzlich den Spruch »Killing for peace is like fucking for virginity«.

Gilching (Bayern) DR. BERNHARD RASTER

Als ergänzende Information zu Ihrem informativen Artikel möchte ich Sie auf die katholische Initiative »Christen gegen die Atomrüstung« »inweisen. Ihre Erklärung lautet unter anderem: Wir lehnen den » » Einsatz von Atomwaffen - gleich ob zur Verteidigung oder zum » » Angriff - bedingungslos ab. Wir fordern deshalb die » » Bundesregierung und alle Unterschriftensammlung in Hamburg » » »Alle Atomwaffen abrüsten« unsere Mitmenschen auf, alle nur » » möglichen Schritte zu unternehmen, um in den nächsten Jahren » » die atomare Rüstung im Bereich der Bundesrepublik entschieden » » zu verringern und schließlich alle Atomwaffen abzurüsten. Als » » ersten Schritt fordern wir den Verzicht auf die Stationierung » » zusätzlicher Mittelstreckenwaffen (Cruise Missile, Pershing » » II). »

Stuttgart DR. ACHIM BATTKE

Die Parteien haben sich weit von der Jugend entfernt. Eier für Apel und Pfiffe für Schmidt auf dem Kirchentag haben das bewiesen. In 20 bis 30 Jahren gibt es keinen Schmidt und Apel mehr. Und was kommt dann?

Dann haben wir das auszubaden, was Schmidt und Apel seinerzeit mit »vollem Einverständnis ihres Gewissens« (?) gegen den Willen der heutigen Jugend beziehungsweise der kommenden Generation entschieden und auch durchgeführt haben.

Bergisch-Gladbach (Nrdrh.-Westf.) MICHAEL MAY

Um es nicht bei Friedensappellen allein bewenden zu lassen, haben am 22. Mai auf dem Bremer Marktplatz rund 200 Bremer Lehrer, die meistens schon gedient haben, eine neue Art von Abrüstung der Reserve eingeleitet: Die meisten gaben ihre Wehrpässe ab. Sie wurden en bloc dem Kreiswehrersatzamt zurückgeschickt.

Bremen RUDOLF PRAHM

»Friedensgeile Omas mit Dutt« sind wieder gefragt! Der Slogan »Trau keinem über Dreißig« ist überholt. Wie ich mich freue!

Ich bin damals als junge Frau mit meinem Mann und unseren zwei Töchtern bei den Ostermärschen mitmarschiert. Und wir sangen die Lieder: »Strontium 90« oder »Hörst du nicht H-Bombendonner«.

Nur Mut, Ihr jungen Leute, für die ich Hochachtung empfinde. Ich hoffe inständig, daß viele Omas mit Euch gehen. Ich jedenfalls -- auch eine Oma -- gehe mit Euch. Und dabei denke ich an meinen so sehr geliebten Enkel.

Stuttgart ANGELA SCHADE

S.9

Wir lehnen den Einsatz von Atomwaffen - gleich ob zur Verteidigung

oder zum Angriff - bedingungslos ab. Wir fordern deshalb die

Bundesregierung und alle Unterschriftensammlung in Hamburg »Alle

Atomwaffen abrüsten« unsere Mitmenschen auf, alle nur möglichen

Schritte zu unternehmen, um in den nächsten Jahren die atomare

Rüstung im Bereich der Bundesrepublik entschieden zu verringern und

schließlich alle Atomwaffen abzurüsten. Als ersten Schritt fordern

wir den Verzicht auf die Stationierung zusätzlicher

Mittelstreckenwaffen (Cruise Missile, Pershing II).

*

S.8Die tiefste Verachtung verdient, wer sich freiwillig zum Sklavenmacht.*

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