»Vehemente Proteste« - DER SPIEGEL
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PRESSEFREIHEIT »Vehemente Proteste«

Freimut Duve, 66, OSZE-Beauftragter für Pressefreiheit, über die von ihm geforderten Verhaltensregeln für Medienunternehmen in Osteuropa
• aus DER SPIEGEL 32/2003
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SPIEGEL: Sie haben vorgeschlagen, dass westeuropäische Medienkonzerne, die osteuropäische Zeitungen und Verlage kaufen, sich Verhaltensregeln auferlegen: Die Geschäftsführung soll den Journalisten nicht reinreden, und die Verlage sollen politische Verbindungen offen legen. Haben sich die Konzerne dort derart danebenbenommen?

Duve: Leider haben nicht alle das Motiv, Wissen und Respekt vor journalistischer Unabhängigkeit einzubringen. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist das Wachstum des Unternehmens mitunter wichtiger als publizistische Prinzipientreue.

SPIEGEL: Deutsche Verlage wie die WAZ, Springer oder Gruner+Jahr sind von Polen bis Mazedonien aktiv. Das werden Ihre Regeln kaum verhindern.

Duve: Das sollen sie auch nicht. Die postsozialistische Medienlandschaft kann gerade mit erfahrenen Investoren eine positive Zukunft haben. Allerdings wollen wir Deutschen auch nicht alle unsere Medien von ausländischen Unternehmen kontrolliert sehen.

SPIEGEL: Was macht das Mediengeschäft in Osteuropa denn konkret zum Fall für den OSZE-Beauftragten?

Duve: Es gab in einigen Fällen, etwa in Mazedonien, vehemente Proteste lokaler Medien gegen Investoren aus dem Westen. Die freiwillige Vereinbarung soll zeigen, dass finanzielle und fachliche Hilfen aus dem Westen ein wirklicher Vorteil sein können.

SPIEGEL: Zunächst müssen Sie erst einmal die Verlage überzeugen. Bislang haben sich die WAZ und ein norwegischer Konzern verpflichtet, Gruner+Jahr und Springer aber nicht. Wollen die sich nicht reinreden lassen?

Duve: Offiziell wehren sich die Konzernjuristen dagegen, dass im Falle eines Streits zwischen Verlagsleitung und Journalisten über die Vereinbarungen mein Büro als Schiedsrichter vermitteln soll. Eigentlich hört sich das eher nach einem vorgeschobenen Argument an, weil man mit einem offenen »Nein« nicht gut aussehen würde. Wir verhandeln aber weiter.

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