WERBUNG »Veralberung von Vorurteilen«
SPIEGEL: Einer Ihrer jüngsten Werbespots, in dem ein Italiener sagt »Die Deutsche kaufe die Lappetoppe, die Italiener kaufe die Schiedsrichter«, hat in Italien für Empörung gesorgt. Sie haben ihn nun zurückgezogen. Warum?
Rook: Der Spot wurde in einem Land, das uns sehr am Herzen liegt, nicht als Satire aufgefasst. Das war nicht beabsichtigt, und darauf haben wir reagiert.
SPIEGEL: Sind die Italiener humorlos?
Rook: Nein, natürlich nicht - ich glaube, das wird niemand ernsthaft behaupten.
SPIEGEL: Media Markt behauptet, das Unternehmen habe die Italiener nur auf humoristische Weise überzeichnet. Hat Ihnen das nötige Fingerspitzengefühl gefehlt?
Rook: Glaube ich nicht. Fußball ist wohl nicht nur eine der schönsten, sondern auch eine der ernstesten Nebensachen der Welt. Dass hier mit Klischees gearbeitet wird, ist offensichtlich. Auch dass wir die Rolle mit Olli Dittrich besetzt haben, sollte das Augenzwinkern bei der ganzen Angelegenheit unterstreichen. Wenn man diese Spots bierernst nimmt, können sie natürlich nicht funktionieren.
SPIEGEL: Was sagt denn Olli Dittrich?
Rook: Die Veralberung von Vorurteilen ist sein Tagesgeschäft, er fühlte sich als »Toni« sehr wohl.
SPIEGEL: Die italienischen Medien sprechen von Rassismus.
Rook: Wir haben auch viel positive Resonanz auf die Spots erhalten - gerade von Italienern und aus dem Kreis unserer italienischen Mitarbeiter. Unsere Unternehmensgruppe ist in Italien mit rund 90 Märkten vertreten - wir lieben und schätzen die Italiener und wollen niemanden kränken. Wir glauben, dass die meisten Italiener das auch so sehen, einen Imageschaden sehen wir nicht.
SPIEGEL: Hätten Sie mit Klischees über Türken denn genauso spielen dürfen?
Rook: Wir haben in der Vergangenheit schon eine türkische Inszenierung mit Oliver Pocher in unserer Werbung gehabt, auf die wir viele fröhliche Reaktionen unserer türkischen Mitbürgerinnen und Mitbürger hatten.