DRITTE WELT Vergebliche Warnung
Schwere Regenfälle und skrupellose kommunale Fehlplanungen kosteten vergangene Woche in zwei Megametropolen Asiens Hunderte Menschenleben. In der philippinischen Hauptstadt Manila brach eine 15 Meter hohe Müllhalde über dem Elendsviertel Lupang Pangako (Gelobtes Land) zusammen und begrub etwa 300 Menschen unter sich. Hilfskräfte und Soldaten bargen bis zum Wochenende knapp 150 Tote. Dabei sollte das »Gelobte Land« bereits im vergangenen Jahr aufgelöst werden. Die Ärmsten der Armen, gab Verteidigungsminister Orlando Mercado nun zu, leben auf den täglich um 4500 Tonnen anwachsenden Müllbergen »ständig mit dem Tod«. Dieses Schicksal teilen sie mit den Slumbewohnern der meisten Dritte-Welt-Metropolen. Im indischen Finanzzentrum Bombay, wo mehr als die Hälfte der 15 Millionen Einwohner auf der Straße lebt, wurden 120 Slumbewohner verschüttet, als ihre Hütten und Verschläge in den lehmigen Fluten verschwanden, die ein heftiger Regen von den umliegenden Hängen gespült hatte. Es lagen bereits Pläne vor, die Slums zu räumen. Doch für eine Umsiedlung fehlte es an Geld. Aufforderungen der Behörden, die gefährdete Gegend zu verlassen, blieben unbeachtet, denn, so der Tischler Hassan Ali, »einen anderen Wohnort haben wir nicht«.