Verlorener Posten - DER SPIEGEL
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Uno Verlorener Posten

• aus DER SPIEGEL 27/1996
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Uno-Generalsekretär Butros Butros Ghali, 73, kann sich bei seinem Wunsch nach einer zweiten Amtszeit nicht mehr auf die geschlossene Unterstützung der Westeuropäer verlassen. Obwohl das britische Außenministerium dem ägyptischen Diplomaten gerade noch versicherte, er sei ein »herausragender Staatsmann« und habe der Weltorganisation »ehrenvoll gedient«, ließ Premierminister John Major ihm vorige Woche ausrichten, daß Großbritannien seiner Wiederwahl nicht zustimmen werde. Mit der Entscheidung der USA, eine zweite Amtszeit von Ghali zu verhindern, sind nach Ansicht eines britischen Uno-Diplomaten »die Würfel gefallen«. Majors rasches Einschwenken auf die Linie Washingtons könnte neuen Mißmut bei den EU-Partnern auslösen. Vor allem Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac würde - schon mit Rücksicht auf die frankreichfreundlichen Staaten Nordafrikas und Arabiens - eine weitere Amtszeit des perfekt Französisch sprechenden Nordafrikaners begrüßen. Um ihm seine »höchste Wertschätzung« zu beweisen, lud Chirac den Generalsekretär zu Gesprächen am Rande des G7-Gipfels nach Lyon ein. Die Bonner Regierung möchte sich ihre Entscheidung einstweilen offenhalten. Trotz Sympathien für Ghali will das Außenamt nicht die Chance verspielen, später eventuell als Vermittler aufzutreten oder einen neuen Kandidaten zu präsentieren.

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