Vermögen
Für 600 000 Mark und die Abtretung aller Grundstücke der ehemaligen August Scherl K. G. in West- und Ost-Berlin und in der sowjetischen Zone hat die Verwalterin des Hugenbergschen Vermögens, die »Opriba K. G.« (Ostdeutsche Privatbank), vom Westberliner Senat die Verlagsrechte erworben, die der Berliner Senat vor einem Jahr durch »dingliche und schuldrechtliche Übertragung« der Winkler & Co. A. G. auf die Stadt Berlin erhalten hatte. Die Winkler & Co. A. G. war eine Tochtergesellschaft des Eher-Verlages und hatte 1944 aus dem Hugenberg-Vermögen die 1937 gegründete August Scherl-Nachfolge K. G. für 68 Millionen Reichsmark erworben.
Durch das Abkommen mit der Opriba ist der Berliner Senat zum fast alleinigen Besitzer des ehemaligen Berliner Zeitungsviertels geworden, soweit es in den Westsektoren liegt, denn Ullstein hat seine Grundstücke bereits vor zwei Jahren als Gegenleistung für die Streichung von Schulden des Deutschen Verlages dem Senat übertragen. Die Opriba ist nun in der Lage, die alten Scherl-Zeitungen wieder herauszugeben. Interessenten am Berliner Zeitungsgeschäft vermuten, daß sie von dieser Möglichkeit auch Gebrauch machen wird, da sie andernfalls die für den Senat wertlosen Verlagsrechte nicht so hoch bezahlt haben würde. Man vermutet, die Opriba werde zunächst gegen die CDU-Zeitung »Der Tag« und das FDP-Blatt »Berliner Montags-Echo« vorgehen, da »Der Tag« und »Berliner Nachtausgabe« - so heißt die Sonntag-Abendausgabe des »Montags-Echo« - alte Scherl-Titel sind. Mit Spannung erwarten die Interessenten auch das Verhalten des Ullstein-Verlages, der bisher stets für Aufhebung des in West-Berlin noch bestehenden Zeitungslizenz-Systems eingetreten ist. Ein Wiedererscheinen des »Berliner Lokal-Anzeigers« würde der bereits wieder existierenden Ullsteinschen »Berliner Morgenpost« voraussichtlich Abbruch tun. Das Lizenzsystem
könnte jedoch ein Wiedererscheinen des früher Scherlschen »Lokal-Anzeigers« vorerst ausschließen.