Verzerrtes Bild
(Nr. 15/1983, Ausländer: SPIEGEL-Redakteur Erich Wiedemann über die Renaissance des Islam unter den Türken im Ruhrgebiet)
Wer nach dem gründlich recherchierten Bericht immer noch davon träumt, die Türken (und sonstige mohammedanische Nicht-Europäer, wie Marokkaner, Abessinier, Afghanen, Pakistanis und so weiter) in unsere Bundesrepublik Deutschland integrieren zu können, kann nur als ein hoffnungsloser Träumer bezeichnet werden. Nichts von den Lebensgewohnheiten der muselmanischen Türken verträgt sich mit unseren deutschen Vorstellungen in unserer freiheitlich-demokratischen und sozialen Demokratie, noch viel weniger mit unserem christlich-abendländischen Kulturkreis.
Duisburg PROF. MANFRED SCHWERES
Sie haben mir endlich die Augen geöffnet. Jetzt weiß ich, was mein türkischer Nachbar nach der Arbeit, die er uns Deutschen auch noch wegnimmt, in seiner Freizeit treibt.
Entweder ist er ein militanter Muslim, ein Grauer Wolf, oder, noch schlimmer, ein Kommunist. Vielleicht bekommt er auch Geld vom »Alten aus Ghom« oder vom libyschen Oberst.
Ich werde jetzt natürlich jeden Kontakt meiden.
Gelsenkirchen KLAUS ROTTMANN
Bevor sich der »altpolnische Ruhradel« hier breitmachte, hielt er euch erstmals die Türken vom Leib (Wien 1683). Und du, Germania, quo vadis?
Trier HENRYK SIENKIEWICZ
Sie schreiben, daß die islamischen Theologen antidemokratisch seien. Erstens gibt es im Islam keine Theologen im christlichen Sinn, zweitens gab es nach der Higra, zur Zeit der 1. islamischen Gemeinde (622 bis 661), bereits eine islamische Demokratie.
Sie fordern, daß sogenannte Demokraten, Kemalisten, den islamischen Religionsunterricht halten sollten. Was würden aber die Vertreter der Kirche dazu sagen, wenn Agnostiker oder Atheisten katholischen oder evangelischen Religionsunterricht halten würden.
Wir Muslime sind uns bewußt, daß gerade auch auf seiten unserer türkischen Brüder einige Fehler gemacht wurden. Dies kommt aber zum größten Teil durch die kemalistisch-atheistische Erziehung, die das Bild des Islam in der Türkei verzerrt.
München ABDULLAH FARUQ
Vollkommen fehlt der Hinweis auf die politische Verwandtschaft von politischfaschistischen Strömungen und den Drahtziehern der Re-Islamisierung, sowie den Interessen deutscher Rechtskreise an einer Nichtintegrierbarkeit.
Der Leser kann-zwar bei Ihnen lernen, daß er einen Grauen Wolf demnächst am gestutzten Schnurrbart erkennen kann, aber was die Grauen Wölfe wollen und warum deutsche Behörden so wenig gegen ihre faschistische Arbeit tun, bleibt unberührt.
Wer erkannt hat, daß es nicht nur eine konservative Re-Islamisierung gibt, sondern auch deutliche neofaschistische Entwicklungen unter Deutschen, der sollte als Journalist mehr Aufklärung S.8 liefern und nicht nur Beispiele sammeln, die der wachsenden Ausländerhetze als Material dienen können.
Freudenberg (Nrdrh.-Westf.) REINHARD WEIL Für die Föderation der progressiven Volkseinheiten der Türkei in Europa e. V.
Der Islam ist nicht nur Motivation, sondern Lebensweise, wovon jede tägliche Handlung betroffen ist. Türkische »Aufgeklärte« in der IG Metall sollten das eigentlich wissen, vermitteln jedoch oft kein Verständnis, sondern erliegen häufig einer postislamischen Profilneurose.
Münster S. IBRAHIM RÜSCHOFF
Abgesehen davon, daß Herr W. alle fundamental-islamischen Gruppierungen durch seine ungenauen Recherchen miteinander vermischt, baut er eine enorme und bisher noch nie gedachte Verbindung zwischen den Linken und den Rechten: die Beschneidung. Daß dies aber ein über die Religion hinausgehender Brauch in der Türkei ist, ist wohl noch nicht bis zum Herrn W. vorgedrungen.
Diese Quasizusammenarbeit wird aber dann doch wieder abgebaut, indem Herr W. betont, daß die Kommunisten für die islamischen Fundamentalisten doch schlimmer seien als die Ungläubigen. Was denn jetzt, arbeiten sie jetzt zusammen oder nicht?
Wir recherchieren seit zehn Jahren in diesem Gebiet und haben nie eine Zusammenarbeit festgestellt. Da reichen vage und aus den Haaren gezogene Vermutungen S.9 nicht. Der SPIEGEL sollte vielleicht mal untersuchen, warum die Türken in der Diaspora in Scharen zu den radikalen islamischen Fundamentalisten beitreten. Könnte nicht dabei auch die feindliche Einstellung der Deutschen gegenüber den Türken eine Rolle spielen?
Frankfurt KAMIL TAYLAN JÜRGEN ROTH
Als Folge dieses Artikels wird es auch in Ihrem Leserkreis einige mehr geben, die in volksverhetzender Weise ihrer Abneigung gegen die wachsende Minorität der Ausländer Ausdruck geben werden. Haben Sie das gewollt?
Hamburg THOMAS SCHAEFER