Verzichtvolle Entsagung - DER SPIEGEL
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Briefe

Verzichtvolle Entsagung
• aus DER SPIEGEL 33/2001
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Verzichtvolle Entsagung

Nr. 31/2001, Zeitgeist: Wolfgang Joop über den neuen Trend zu Einfachheit und Strenge

Das Glück liegt in der Beschränkung. Diese banale, von klugen Menschen längst gelebte Weisheit scheint nun Mode geworden und wird uns überwältigend glaubhaft versichert von einem, der aus solchen Moden schöpft, der sich mutig darauf beschränkt, in Monte Carlo, New York und Potsdam zugleich zu leben. Denn er hat über diese drei hinaus weiteren Lebensräumen rund um den Erdenball verzichtvoll entsagt. So sind ihm auch karge 20 Beispiele dieser Beschränkung genug, wie viele mehr hätte er doch anführen können. Wie heißt doch der verballhornte Spruch so schön: In der Beschränktheit zeigt sich erst der Meister.

SCHWAIG BEI NÜRNBERG KLAUS DIEBOLD

Bewusst oder unbewusst zeigt uns Opulenzia Wolfgang Joop, wohin die Reise geht. Die Stammtischgespräche von 280 Prozent Gewinn an der Börse sind der Frage, ob noch ein Bier möglich ist, gewichen. Lese ich da eine Besinnung auf reelle Werte zwischen den Zeilen, oder versucht Herr Joop uns im Vorfeld seinen neuen Modetrend außerhalb der Wünsche AG zu verkaufen? Wie auch immer, es ist schön zu erfahren, dass der Glanz der Garderobe nicht über persönliche Defizite und Alltagsfrustrationen hinweghilft. Gebt Herrn Joop weiterhin die Chance, die Wahrheit - auch über sein eigenes Leben - zu schreiben.

NIDDATAL-ASSENHEIM (HESSEN) JÖRG STAUBACH

Es ist witzig, Herr Joop, wie Sie versuchen, die modegläubigen Verbraucher mit dem No-Nonsens-Trend einem neuen Modediktat zu unterwerfen. Wir liegen also voll im Trend, nur bezeichnen wir diese Unsinnigkeiten schon lange als Wohlstandsmüll.

ESSEN MECHTHILD KALKUHL

Es ist, bei aller Trendiness dieser »Suche nach der inneren Sammlung«, ein anstrengender Weg - weil man sich (im günstigsten Fall) selbst begegnet! Im günstigsten Fall? Tja, des Pudels Kern enthüllt sich nicht so einfach. Man muss ihn ernsthaft suchen. Mit dem Risiko, auf der Suche danach nichts Spektakuläres vorzufinden, sondern etwas, das Einfachheit und Komplexität verbindet und dabei wenig schillernde Bescheidenheit lehrt, nämlich sich selbst. Und weil dieser Weg mühsam ist, werden dieser Anstrengung wieder viele beim ersten wirtschaftswunderlichen Aufwärts entsagen. Denn es ist nun mal einfacher, sich mit gepuderter Nase den eigenen Größenphantasien hinzugeben und wieder das Rennen nach dem Schönsten, Reichsten, Teuersten zu starten.

WALCHWIL (SCHWEIZ) ANDREAS LUKOSCHIK

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