Vogels Plan
Bundesjustizminister Vogel will nach den Anschlägen auf zwei Zwangspflichtverteidiger im Berliner Drenkmann/Lorenz-Prozeß notfalls beamtete Verteidiger einsetzen, um künftig den Fortgang sogenannter Terroristenprozesse zu sichern. Bereits nach der parlamentarischen Sommerpause soll mit den Justizverwaltungen der Länder Kontakt aufgenommen werden. Dieses Vorhaben verkündete er in einer vertraulichen Experten-Runde in Bonn, an der auch Generalbundesanwalt Rebmann teilnahm. Die hinzugezogenen Bonner Abgeordneten Hartmann (CSU) und Kleinert (FDP) betonten freilich, sie sähen lieber gar keine Verteidiger als beamtete. Vorerst soll mit allen Mitteln versucht werden, die Zwangspflichtverteidiger im Drenkmann/Lorenz-Verfahren trotz persönlicher Bedrohung zu halten. Sie stehen inzwischen unter polizeilichem Personenschutz. Der Berliner Justizsenator Jürgen Baumann (FDP) erwägt darüber hinaus, auch ihr »materielles Risiko« beamtenähnlich abzudecken -- entsprechend der Absicherung der Richter und Anklagevertreter. Trotz der Berliner Vorkommnisse hätten sich aus Bayern, berichtete Vogel im internen Kreis, mehrere Rechtsanwälte freiwillig zur Pflichtverteidigung in der Front-Stadt gemeldet.