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MALAYSIA Vom Dschungel verschlungen

Mord, tragischer Unfall oder ein Akt makabrer Selbstinszenierung? Der Schweizer Regenwaldaktivist Bruno Manser ist im Urwald Sarawaks verschollen.
Von Jürgen Kremb
• aus DER SPIEGEL 3/2001
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So schätzten ihn seine Fans, so fürchteten ihn seine Gegner: Mit einem motorbetriebenen Gleitschirm landete der Basler Urwaldschützer Bruno Manser am 29. März 1999 vor der Residenz des Chefministers von Sarawak. In der Hauptstadt Kuching des malaysischen Bundesstaats Sarawak auf der Insel Borneo wollte er erneut auf das Schicksal des bedrohten Nomadenvolks der Penan und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen im Dschungel Sarawaks aufmerksam machen.

Minister Taib Mahmud fand das gar nicht witzig. Denn seit Manser von 1984 bis 1990 mit den Waldnomaden gelebt hatte und ihren Kampf gegen Holzkonzerne organisierte, galt der Alpenländer auf Geheiß Taibs als Persona non grata in dem südostasiatischen Land. Kurz nach der Gleitschirmlandung wurde der Schweizer ausgewiesen.

Was damals niemand ahnte: Dies könnte Mansers letzter Einsatz gegen die Abholzung eines der größten Regenwälder der Erde gewesen sein. Denn seit der drahtige 46-jährige Umweltschützer am 22. Mai letzten Jahres illegal die Dschungelgrenze zwischen Indonesien und Malaysia überschritt, ist er in der grünen Hölle verschollen. »Bis Ende Dezember hofften wir noch auf eine positive Wende«, sagt der Schweizer Botschafter Rudolf Staub in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur, »doch jetzt überwiegt die Sorge. Nach einem halben Jahr verschlingt der Dschungel alles.«

Manser wusste sehr wohl, auf was er sich einließ. Als eine Mischung von Fitzcarraldo, Wilhelm Tell und Robin Hood hatte er sein Leben dem knapp 300-köpfigen Stamm der Penan verschrieben. Die Urwaldnomaden, die auf der Jagd nach Vögeln und Wildschweinen den Regenwald durchstreifen, nahmen den Schweizer bei sich auf. Sie brachten ihm bei, wie man im Dschungel nackt, nur mit Blasrohr sowie Pfeil und Bogen bewaffnet, überleben kann.

»Laki Penan«, »Penan-Mann«, nannten sie Manser, als er in den achtziger Jahren bei ihnen wohnte. Unverzüglich machte der Basler die Welt auf den Widerstand der Ureinwohner gegen die räuberischen Holzkonzerne aufmerksam, die mit Billigung Kuala Lumpurs in den letzten beiden Jahrzehnten gut 70 Prozent der Wälder Sarawaks abgeholzt haben.

50 000 Dollar soll die Holzmafia schon damals auf den Kopf des Urwald-Wilhelm-Tell ausgesetzt haben, der ihnen den Kahlschlag vermieste. Der »Bruno Manser Fonds« (BMF) stand fortan immer an vorderster Front, galt es für den Schutz der letzten indigenen Völker und gegen den Raubbau an den Waldreserven des Globus zu protestieren.

Das machte die Rückkehr Mansers zu seinen »geliebten« Penan im vergangenen Jahr zum gefährlichen Vabanquespiel. Von der indonesischen Inselstadt Tarakan in Ost-Kalimantan, gerade 150 Kilometer südlich der Entführerinsel Sipadan gelegen, schipperte der Schweizer stromaufwärts Richtung malaysische Grenze. »Ich verbringe die Nacht im Versteck«, kritzelte er am 23. Mai auf einen Brief an seine Freundin. Am nächsten Tag wollte er allein ins Siedlungsgebiet der Penan trecken. Doch seitdem verlieren sich alle seine Spuren.

Dass im Sommer und Herbst im Urwald die Proteste und Blockaden gegen Malaysias krude Kahlschlagpolitik neu aufflackerten, wiegte die Mitstreiter in Basel zunächst in Sicherheit. Doch als sich »Bruno nicht wie vereinbart alle zwei Wochen meldete«, sagt John Künzli vom BMF, »bekamen wir es mit der Angst zu tun«.

Jetzt wurden die Penan beauftragt, nach ihrem Adoptivsohn zu suchen. Ergebnis: Noch nicht einmal ein Reststück seiner Ausrüstung wurde gefunden. Dafür kursieren die wildesten Gerüchte entlang der erdroten Dschungelpisten von Sarawak. Eines lautet: »Der Laki Penan ist von Gangs der Holzkonzerne entführt worden.« Nach einer anderen Version wurde Manser von Spezialeinheiten der malaysischen Polizei erschossen. »Er ist nicht in einem Gefängnis Malaysias«, meldete die Regierung auf Anfrage der Schweizer Botschaft.

Der Journalist James Ritchie aus Kuching, der Mansers Einsatz für den Urwald über Jahre hinweg kritisierte und sogar ein Buch über ihn schrieb, glaubt allerdings nicht an die Version vom tödlichen Unfall. »Bruno kennt den Dschungel zu gut, um darin umzukommen«, sagt Ritchie, und er glaubt: »Wahrscheinlich ist das ein neuer Trick, um auf das Schicksal der Penan aufmerksam zu machen.« JÜRGEN KREMB

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