Vorschau - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 55 / 125

Vorschau

• aus DER SPIEGEL 23/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Einschalten

Die Kunst des Fälschens Dienstag, 20.15 Uhr, Arte

»Authentische Fälschungen« bot der verkrachte Kunstlehrer John Myatt kühn per Anzeige in einer britischen Satirezeitschrift an. Damit begann einer der größten Kunstfälscherskandale der Neunziger. Der Hochstapler John Drewe gab hunderte von Werken moderner Meister bei Myatt in Auftrag und verscherbelte sie zu Höchstpreisen an private Sammler. Mit der Zeit wurde Drewe immer tollkühner. Er manipulierte Kataloge in den Archiven der Tate Gallery und des Victoria and Albert Museum und verschaffte den Fälschungen so ein solides »Vorleben«. Selbst die renommierten Auktionshäuser Christie's und Sotheby's fielen auf das kriminelle Duo herein, bis ein Zufall Scotland Yard auf die Spur des Betrugs führte. Der Film von Michael Hutchinson zeigt, wie verblüffend einfach es war, die internationale Kunstszene zum Narren zu halten, denn Gier siegt fast immer über jegliche Vorsicht. Die Dokumentation ist Teil der Arte-Reihe »360° - Die Geo-Reportage: Dem Täter auf der Spur«, in der von Montag bis Donnerstag neue Technologien vorgestellt werden, mit denen Kriminologen Verbrechen aufklären.

Killer Games Freitag, 0.40 Uhr, RTL 2

Da vorher das große »Big Brother«-Finale läuft, hat RTL 2 das sehenswerte Erstlingswerk von Regisseurin Jennifer Leitzes auf diesen stiefmütterlichen Sendeplatz verbannt. Wer noch ein wenig Aggressionskompensation betreiben will, sollte das TV-Gerät auf jeden Fall eingeschaltet lassen: In dem Gangsterfilm fließt in 92 Minuten weitaus mehr Blut, als in der Langweiler-WG in 100 Tagen beim Rasieren, Holzhacken und Brusthaarschneiden zusammenkam. Robbie Coltrane (bekannt als saufender Polizeipsychologe in »Für alle Fälle Fitz") spielt einen despotischen Gangsterboss, dessen Geliebte seinen Sohn umbringt. Dumm für Bandenmitglied Claire (Kyra Sedgwick), die hätte nämlich auf den Nachwuchs aufpassen sollen. Auch für ihren Freund Nick (Stanley Tucci) sieht es nicht gut aus, er wird vom Alten verdächtigt, einen Koffer mit Geld unterschlagen zu haben. Die beiden versuchen verzweifelt, mit ihrem kriminellen Übervater ins Lot zu kommen, was ihr intriganter Kollege Duncan (Philip Seymour Hoffman, der Krankenpfleger aus »Magnolia") mit allen schmutzigen Tricks zu verhindern sucht.

Ausschalten

...und Frieden ihrer Seele Montag, 22.15 Uhr, TM 3

Der kleine Scotty verunglückt tödlich im Ferienlager. Seine Eltern ziehen mit ihrer halbwüchsigen Tochter Jesse (Elisabeth Rosen) in die kanadische Wildnis, um dort Abstand von dem traumatischen Erlebnis zu bekommen. Während der Vater (Barry Flatman) versucht, eine Ranch aufzubauen, sperrt sich die Mutter (Gabrielle Rose) im Schlafzimmer ein, unfähig, den Tod ihres Sohnes zu verwinden. Doch in dem alten Farmhaus geht es nicht mit rechten Dingen zu, wabernde Spukgestalten schleichen durch die Gänge, und Tochter Jesse wird von Geistern zu Pferde fast umgeritten. Das Mädchen entdeckt das Tagebuch des toten Bruders und kommt auf die Spur einer längst vergangenen Familientragödie. Das kanadische TV-Drama in der Regie von Elise Swerhone beweist, dass nicht nur in Amerika mystisch-esoterisch verquaste Heuler produziert werden. Am Schluss fallen sich sowohl Geister als auch Menschen in die Arme, und »alles wird gut«.

20:13 - Mord im Blitzlicht Dienstag, 20.15 Uhr, Vox

In Fernsehkrimis hat ja mittlerweile fast jeder Cop mindestens einen Angehörigen durch einen grausamen Mord verloren und kompensiert seinen Psychoknacks durch fanatische Ermittlungsarbeit, bis eine glückliche Liebschaft das Seelenheil wieder herstellt. Die Rahmenhandlung zu dem abgenudelten Schema besteht in diesem Thriller (Regie: John Bradshaw) aus einer Mordserie an Männern, die der Pädophilie verdächtigt werden. Kommissar Decker (Thomas Heinze) ist bei der Polizei, weil er unter einem Kindheitstrauma leidet: Seine kleine Schwester fiel einem Sexualmörder zum Opfer. Decker, dessen Hass auf Kinderschänder bei den Kollegen wohl bekannt ist, gerät selbst unter Verdacht, die Männer aus dem Weg geräumt zu haben. Zusammen mit der Journalistin Carla (Natacha Lindinger) von der Zeitung »Star« ermittelt der Kommissar auf eigene Faust. Die Ziffern 20:13 im Titel beziehen sich übrigens nicht auf eine geänderte Sendezeit, sondern, wie der Vox-Pressetext in fröhlichem theologischem Unverstand verkündet, »auf das Kapitel 20, Vers 13 der Bibel ,Du sollst nicht töten'«.

Zur Ausgabe
Artikel 55 / 125