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• aus DER SPIEGEL 20/2000
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Schwiegermutter Montag, 20.15 Uhr, ZDF

Wer hier seinen Fernseher nicht einschaltet, ist selbst schuld: »Schwiegermutter« gehört zu den mutigsten und gelungensten Fernsehfilmen der letzten Jahre. Schon die Entstehungsgeschichte ist ungewöhnlich: Christiane Hörbiger las eine Erzählung der wunderbaren russischen Autorin Viktorija Tokarjewa, war fasziniert und fand in Drehbuchschreiberin Laila Stieler und Regisseurin Dagmar Hirtz engagierte Verbündete. Hörbiger (zweifellos eine Idealbesetzung) verkörpert die Literaturwissenschaftlerin Anna, die mit ihrem 22jährigen Sohn Juri (Martin Glade) zusammenlebt und ihn in entnervender Weise betütelt und kontrolliert. Eines Tages bringt er das schrille Punkmädchen Netti (Camilla Renschke) mit nach Hause, die erwartungsgemäß mit der kultivierten Anna aneinander gerät. Auch Juri zankt sich mit seiner egozentrischen Mutter, schließlich ziehen die beiden jungen Leute aus und heiraten heimlich. Als Netti Opfer eines Verkehrsunfalls wird und im Koma liegt, bittet Juri seine Mutter um Hilfe. Anna willigt ein, Netti zu pflegen, Mitgefühl und Liebe spielen dabei zunächst keine Rolle, eher die Berechnung, Juri zurückzugewinnen. Der allerdings verliebt sich plötzlich in eine Ärztin (Bettina Kupfer). Auch andere Spielarten der Liebe beleuchtet dieser amüsante, zum Weinen schöne Film, bevor er in seine überraschende Schlusskurve geht. Grimme-Preise sind dieser Inszenierung und ihren ausnahmslos hervorragenden Darstellern reichlich zu gönnen, Millionen von Zuschauern wären noch besser.

Das Leben Jesu Montag, 20.45 Uhr, Arte

Öd ist das Leben in Bailleul, einem Kaff in Nordfrankreich nahe der belgischen Grenze. Für den arbeitslosen Freddy (David Douche) und seine Freunde bleibt nur der Spaß beim Mopedfahren und bei Auftritten in der Dorfkapelle. Einziger Lichtblick in Freddys ereignislosem Leben ist seine Liebe zur Kassiererin Marie (Marjorie Cottreel). Als sich jedoch ein arabischer Gastarbeitersohn für sie interessiert, wandelt sich die dumpfe Frustration des Jugendlichen in offene Gewalt. Bruno Dumont, letztjähriger Gewinner des Großen Preises der Jury von Cannes für »L'Humanité«, zeichnet in seinem Film die Kleinstadt-Tristesse mit tödlicher Bedächtigkeit. Seine vorzüglich ausgesuchten Laiendarsteller geben der Handlung eine beklemmende Authentizität.

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Tatort »Der schwarze Ritter« Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

In der Piratenbahn-Kulisse des Lunaparks liegt die Leiche von Louis Mercier (Peter Lohmeyer in seiner kürzesten Rolle), Star der Ritterspiele und gnadenloser Frauenheld. Eigentlich wollte er sich heimlich mit seiner Geliebten Zora (Tamara Simunovic) aus dem Staub machen und den Park verlassen - sehr zum Missfallen seines Bruders und Partners (Uwe Bertram mit Glasauge), seiner Managerin (Eva Mattes als Sexluder) und des Angetrauten von Zora (Marek Wlodarczyk). Zwischen Achter- und Geisterbahn ermittelt Ulrike Folkerts als Kommissarin Lena Odenthal. Leider können weder sie noch ihr sympathischer Partner Andreas Hoppe den allzu durchschaubaren Plot von Dorothee Schön retten. Immerhin kommen Zuschauer, die schon auf digitales Fernsehen umgerüstet haben, auf ihre Kosten. Parallel zur Handlung werden per Fun-Decoder Fragen zum Täter eingeblendet, und wer alle richtig beantwortet, darf zum nächsten Tatort-Dreh als Statist. Weil die Aufgabe, den Täter zu finden, allzu einfach ist, könnten demnächst Statisten massenweise anrücken - aber leider entscheidet das Los-Verfahren.

Gefährliche Träume Dienstag, 20.15 Uhr, Sat 1

Anwältin Nora Bruhn (Iris Berben) fühlt sich verfolgt. Sie findet mit Lippenstift geschriebene Nachrichten auf ihrem Spiegel und entdeckt ihre Katze, ausgewrungen wie ein Lappen in einer Blutlache. Für Nora ist klar, dass ihr neuer Freund Leonard (Herbert Knaup) dahinter steckt, der ist aber in Wirklichkeit Privatdetektiv und sucht nach ihrem verschwundenen Ex-Freund. Drehbuchautor Douglas Scott-Hessler hat zielsicher jegliche Spannung ausgeschaltet, indem er Nora gleich zu Anfang ein Plädoyer für Mörder mit multiplen Persönlichkeiten abgeben lässt. Dass Anwältin Nora, salopp gesagt, nicht alle auf der Reihe hat, merkt der Zuschauer nicht nur sofort an Iris Berbens flackerndem Blick, sondern auch an der pseudo-avantgardistischen Musik, die offensichtlich innerliche Zerrissenheit symbolisieren soll.

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