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• aus DER SPIEGEL 5/2000
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Auschwitz und kein Ende Montag, 22.15 Uhr, Südwest III

Wie konnte es passieren, dass der Holocaust lange in Deutschland ein Tabu blieb und noch heute von vielen am liebsten verdrängt wird? In einer verdienstvollen vierteiligen Dokumentation zeichnet der Südwestrundfunk die Schwierigkeiten der öffentlichen Erinnerungsarbeit in fünf Jahrzehnten bundesrepublikanischer Nachkriegszeit nach. Vergangenen Montag zeigten Andreas Christoph Schmidt und Holger Hillesheim die in den fünfziger Jahren obwaltende Mischung aus Hilflosigkeit und trotzigem Wegsehen. Die Öffentlichkeit gedachte lieber der deutschen Kriegsgefangenen, und die »Gruppe 47« lehnte aus poetisch-formalistischer Borniertheit Paul Celans ergreifendes KZ-Gedicht »Todesfuge« als zu pathetisch ab. Im heutigen Beitrag (Autoren: Wolfgang Schoen, Holger Hillesheim) geht es um die Vergangenheitsbewältigung der sechziger Jahre, die mit dem Eichmann-Prozess begann. Es folgte Peter Weiss' Stück »Die Ermittlung«, ein Bühnenprotokoll des Frankfurter Auschwitz-Prozesses. Der Münchner Kritiker Joachim Kaiser erzählt in dem Film, wie er damals wider die Theatralisierung des unzeigbaren Grauens vergeblich polemisierte. Von heute aus gesehen, nach der TV-Serie »Holocaust« und dem Film »Schindlers Liste«, ein geradezu rührender Purismus.

Mädchenhandel - Das schmutzige Geschäft mit der Lust Mittwoch, 20.15 Uhr, RTL

Selbst für RTL-Verhältnisse ungewöhnlich brutal beginnt dieser Film von Michael Keusch (Buch und Regie): Auf dem Seziertisch der Gerichtspathologie liegt ein ermordeter Mann, dem die Täter die Augen bei lebendigem Leibe herausgeschnitten haben. Kamera und Handlung können sich über diese Grausigkeit gar nicht beruhigen und malträtieren den Zuschauer mit Details. Aber zum Glück bekommt das Stück über Kinderpornografie noch rechtzeitig die Kurve zum eindringlichen Psychodrama. Dies liegt vor allem an Barbara Rudnik in der Rolle einer Polizeipsychologin, die während der Ermittlungen ihre eigene, verdrängte Vergangenheit wieder findet. Es ist die Traurigkeit und Einsamkeit in Rudniks Spiel, die den Film rettet.

ran - Bundesliga Freitag, 22.15 Uhr, Sat 1

Ihr naht euch wieder, flankende Gestalten - seid gegrüßt. Sonntag, 20.00 Uhr, auf Sat 1 heißt es, Lederhosen an- oder ausziehen: HSV - Bayern.

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Zwei Asse und ein König Montag, 20.15 Uhr, ZDF

... sind noch kein Full-House. Mit Heiner Lauterbach, Heinz Hoenig, Michael Mendl und Martin Benrath (der Großvater in der Strittmatter-Verfilmung »Der Laden") gehen zwar sturmerprobte TV-Fahrensmänner auf große Fahrt (drei Teile) in dieser Story über hanseatischen Reederstolz, Umweltsauereien und Männerfreundschaft so fest wie Schiffstampen. Aber die ZDF-Fregatte (Buch und Regie: Bernd Fischerauer) bleibt im Seichten stecken: zu viele Klischees, zu schlichte Dialoge, zu spürbar die Bugsierarbeit der beiden Schlepper »Hergeholt« und »Konstruiert«.

Bei aller Liebe / Die Schule am See Mittwoch/Donnerstag, 18.55 Uhr, ARD

Nirgends zeigt sich das Fernsehen, auch die ARD, ungenierter als am Vorabend: Hier zählt nur die möglichst willfährige Bedienung des Marktsegments »Junge Zuschauer«. Und da passen sich die Filmserien deutlich dem Trend der Daily Soaps an: Die Jugendlichen und ihre Probleme dominieren die Handlung, Eltern, Lehrer und die Symbole der Erwachsenenwelt stören nur. Die nach dem Serienableben der von Mareike Carrière gespielten Figur einer Direktorin renovierte »Schule am See« bringt es fertig, ein Internatsleben zu zeigen, das sich in fröhlichen Cabriofahrten, Pokerpartien und Dauerflirterei erschöpft. »Bei aller Liebe«, ein neues Produkt, führt Erwachsene als Volltrottel vor, deren Erziehungsleistung im Herumkutschieren der Sprösslinge und dem Stoßseufzer eines Vaters gegenüber seiner kecken Tochter besteht: »Hoffentlich fahr ich dich nicht geradewegs in deine Entjungferung hinein.«

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