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• aus DER SPIEGEL 46/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Tanzpalast Montag bis Freitag, 20.15 Uhr, Arte

64 hochgeworfene Frauenbeine, Deutschlands berühmteste Girlie-Reihe, kommt in der Serie über den Friedrichstadtpalast in Berlin nur als Zwischenschnitt vor. Die rasant geschnittene Doku-Soap über das Leben an Berlins erfolgreichster Bühne von Arpad Bondy und Katrin Hentschel lebt von den Gefühlsstürmen, die sich hinter den Kulissen abspielen. Da will Thomas, der stolze Solotänzer, sich seine Haare nicht schneiden lassen und riskiert den Rauswurf. Oder dem Tänzer Wolfgang wird zu seinem altersbedingten Abschied von der Bühne eine denkwürdige Überraschung bereitet, ein Sänger-Star gratuliert seinem Fan auf der Bühne zum 17. Geburtstag, eine ehrgeizige Tänzerin muss sich zwischen Kind und Karriere entscheiden. In dem Theatergroßbetrieb des Friedrichstadtpalastes hat das auf ein lebendiges Umfeld seiner Protagonisten angewiesene Genre Doku-Soap einen idealen Schauplatz gefunden. Also: vor die Glotze und Beine hoch!

Meine Tochter darf es nie erfahren Dienstag, 20.15 Uhr, Sat.1

Die Zeiten, in denen sexueller Miss- brauch einschließlich der Variante vom Missbrauch des Missbrauchs, also der hysterischen Beschuldigung Unschuldiger, im TV-Movie Konjunktur hatten, sind seit ein paar Jahren vorbei. So wirkt dieser Film (Regie: Lutz Konermann) auf den ersten Blick wie ein Nachzügler im Strom des Zeitgeistes. Das Psychodrama erzählt vom langsam aufbrechenden Trauma der jungen Hotelangestellten Jenny (Muriel Baumeister), die als verlorene Tochter aus Amerika zurückkehrt und ihr Kind aus der Obhut ihrer Eltern wieder zu sich nehmen möchte. Der brutale Widerstand ihres Vaters (Walter Kreye), der sein Enkelkind unter keinen Umständen an die Tochter übergeben möchte, weckt Jennys alte Ängste, und nach und nach wird ein schreckliches Familiengeheimnis offenbar: Das Kind, um das die junge Frau streitet, ist aus einem Inzest entstanden, der Großvater ist zugleich der Vater. Der Plot riecht nach starkem Movie-Tobak. Doch die Beteiligten, Kreye als Großvater, Kai Scheve als treuer Jenny-Freund und vor allem Baumeister in der Rolle der unglücklichen Frau bugsieren den Film sicher aus den seichten Gewässern der Klischees.

Die Gefesselten Mittwoch, 20.15 Uhr, RTL

»Der große TV-Roman«, wie RTL das Genre dieses Films nennt, hält zum Glück nicht, was sich gierige Gemüter unter dem reißerischen Titel versprechen könnten. Hier geht es mal nicht um Sex und Gewalt, sondern um das Schicksal zweier Rollstuhlfahrer. Luise (Valerie Niehaus) und Alexander (gespielt von dem gelernten Opern-Tenor Björn Kegel-Casapietra) sind trotz ihrer Behinderung ein lebensbejahendes Paar voller Optimismus. Das ändert sich für den als Architekt arbeitenden Mann, als er beruflich auf ein Abstellgleis geschoben werden soll, weil er nach Ansicht seines Chefs mit dem Rollstuhl auf der Baustelle zu unbeweglich ist. Alexander kündigt, findet aber keinen neuen Job, niemand will einen Gelähmten einstellen. Im Frust über seine Lebenssituation erleidet er einen Verkehrsunfall. Während der Rehabilitation entdecken die Ärzte, dass sein Rückenmark noch nicht vollständig zerstört worden ist. Alexander lernt wieder zu laufen und überrascht damit seine Frau. Diese Heilung bringt die Beziehung aus dem Gleichgewicht: Luise muss bemerken, wie sich ihr Mann, der wieder einen Job bekommt und bald eine Geliebte hat, von ihr entfremdet. Der Regisseur Donald Kraemer findet den richtigen Ton für diese Geschichte (Buch: Rodika Döhnert): Trotz viel Sentiment wird der Film nie zur Behinderten-Schnulze, sondern hat ein Gespür für Zwischentöne.

Da wo die Berge sind Freitag, 20.15 Uhr, ARD

... jodelt gern der Heimatfilm. Dieses deutsch-österreichische Spektakel ist von außen gesehen zwar ganz neu, aber unter der schicken Oberfläche rumoren die Wiedergänger des verstaubten Genres: Den schönen Hansi hat's aus der Bergwelt in die Stadt verschlagen, aber als ein Erbfall Not über seinen Heimathof zu bringen droht, kehrt der Held zurück, bringt die Bösen zur Strecke und sich zur Vernunft: Dahoim lebt und liebt es sich einfach besser. Die mitwirkenden Ski-Veteranen Hansi Hinterseer und Toni Sailer fädeln haspelnd und nuschelnd immer dann ein, wenn es was zu sprechen gibt.

Kamerad Maultier Freitag, 21.45 Uhr, ARD

Mit sanfter Ironie schildert der Reportage-Autor Jean Boué den Alltag der Gebirgstragtierkompanie 230 - dort helfen Mulis bei der Landesverteidigung. Im Gegensatz zu den Rekruten machen sich die Tiere keine Gedanken über den Sinn der Wehrpflicht.

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