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• aus DER SPIEGEL 35/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Antiochia freut sich auf Europa

Dienstag, 21.45 Uhr, SW3

Das Glück wohnt in der fernsten Ecke: Im heute türkisch-muslimischen Antakya, dem biblischen Antiochia, rühmt man sich einer einzigartigen Tradition der Toleranz. Hier soll sich einst die erste Kirche der Christenheit erhoben haben, in der Nähe wurde der Apostel Paulus geboren. Heute stehen Minarette neben katholischen Kirchen, und während die Muezzins zum Gebet rufen, ziehen christliche Pilger durch die Stadt. Das an der Grenze zu Syrien gelegene Antakya ist die einzige türkische Großstadt, die von einer Frau regiert wird. Viele der Bewohner zieht es, was Wunder, nach Europa - der Gewürzhändler im Basar sagt: »Das gute Leben und die sozialen Rechte der Europäer wollen wir auch haben.« Doch der Weg dahin, so zeigt diese prägnante Reportage von Christoph-Michael Adam, ist noch weit - wie die schwäbische Partnerstadt, auf die mitten im orientalischen Zauber ein Schild hinweist: 3300 km bis Aalen.

Besuch aus Bangkok

Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD

Papa verzweifelt gesucht: Als der 20jährige Somchai (Richard Barenberg) auf der Suche nach seinem Vater nach Deutschland reist, gerät nicht nur Familienrichter Köhlermann (Stephan Schwartz) in Bedrängnis. Zwar haben er und seine Freunde damals in Thailand tatsächlich mit Somchais Mutter geschlafen, aber Sextouristen wollen sie trotzdem nicht gewesen sein - und schon gar nicht Erzeuger des Besuchers aus Fernost. Nicole Houwer (Buch) und Susanne Hake (Regie) haben es geschafft, das eher trostlose Thema zu einer unterhaltsamen Fernsehkomödie zu verarbeiten, ohne das Elend des Sextourismus zu verharmlosen. Ziemlich nervig allerdings ist der Asien-Kitsch aus Panflöten und fernöstlichen Weisheiten, der fast jede Äußerung des exotischen Besuchers garniert - weshalb man den Filmemachern immer wieder zurufen möchte: Lasst mal den Buddha bei die Fische.

Vier Meerjungfrauen

Freitag, 20.45 Uhr, Arte

Vom »Gelingen und Misslingen der Lebensentwürfe zweier Generationen« erzählt dieser Film laut Pressetext. Das klingt schlimmer, als es ist. Die Geschichte um die verwitwete Restaurantbesitzerin Maren Ohmsen (Hannelore Hoger), die ihren Küchenchef Friedrich (Jürgen Schornagel) heiraten möchte und damit bei ihren Töchtern Merle (Marie Hörbiger), Muriel (Nina Hoger) und May-Brit (Susanne Schäfer) keineswegs auf ungeteilte Zustimmung stößt, entwickelt sich dank guter Darsteller und trotz mancher Überzeichnung zu einer durchaus amüsanten Familienkomödie.

Ein Leben mit HipHop

Samstag, 0.15 Uhr, N3

Aus den amerikanischen Schwarzen-Ghettos in die hintersten Winkel der deutschen Proinz: HipHop, Scratching und Breakdance haben es in Deutschland innerhalb von gut zwei Jahrzehnten von der Underground-Bewegung zum Massen-Spaß gebracht. Der Film von Hartmut Jahn heißt zu Recht »Ein Leben mit HipHop«, denn er verzichtet auf jede Interpretation von außen. Die Helden der Szene präsentieren ohne Filter ihr Lebensgefühl, ihre oft wüsten Sprechgesänge und ihre furiose Bodenakrobatik. Die Reportage eröffnet eine »HipHop-Nacht« des NDR (zwei weitere Filme folgen). Für junge Fans sicher ein Fest, lehrt dieser ethnologische Ausflug erwachsene Nachtmenschen eher das Staunen über eine fremde, seltsame Welt: Voll fett, was da abgeht.

Commissario Montalbano

Sonntag, 22.00 Uhr, ZDF

Erst ein merkwürdiger Kauz brachte den großen Erfolg. Der Sizilianer Andrea Camilleri, Jahrgang 1925, hatte zahlreiche Romane veröffentlicht und die 70 schon überschritten, als er durch seine Krimis um den sizilianischen Polizeichef Salvo Montalbano berühmt wurde: Kritiker und Publikum waren gleichermaßen begeistert, Übersetzungen machten Camilleris raubeinigen und kauzigen Helden Montalbano auch in Deutschland populär. Die Montalbano-Serie des italienischen Fernsehens war jenseits der Alpen ein Zuschauerhit - unter anderem wegen der in Italien populären deutschen Schauspielerin Katharina Böhm. Im ersten Fernseh-Fall hat es der Held (gespielt von Luca Zingaretti, dem deutschen Fernsehpublikum bekannt aus »Allein gegen die Mafia") mit dem Fall eines sizilianischen Provinzgranden zu tun, der tot im Auto gefunden wird - scheinbar bei käuflicher Liebe vom plötzlichen Herztod ereilt. Doch der Schein trügt.

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