Vorschau
Falsche Liebe - Die Internetfalle Dienstag, 20.15 Uhr, Sat.1
Man nehme: eine Prise Internet, einen fiesen Auftragskiller, viele Szenen in dunklen Tiefgaragen und eine Hand voll knackiger Jungdarsteller - fertig ist ein packender Thriller, dachte man sich wohl bei Sat.1. Doch stattdessen ist nur ein Stück Cyberklamauk dabei herausgekommen. So hat die Hackerin Alissa (Jasmin Gerat) offenbar weniger Ahnung von dem, was sich via Netz so alles Böses anstellen lässt als der gemeine »Computerbild«-Leser. Statt sich zu fragen, in was für einer seltsamen Firma sie angeheuert hat, baggert die Dame lieber ihren hübschen Chef (Johannes Brandrup) an. Bei so viel Dummheit kann ihr auch Hannelore Hoger als Italienisch brabbelnde Oma nicht helfen. Freuen dürfte sich dagegen der Chaos Computer Club: Endlich mal wieder was zu lachen, Jungs!
Die Polizistin Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD
Hoch motiviert tritt die junge Polizistin Anne (Gabriela Maria Schmeide) ihren ersten Job an. Doch der Ordnungshüteralltag im Rostocker Problembezirk ist alles andere als einfach. Die Nachwuchskraft mit dem weichen Herzen muss mit der erotischen Ausstrahlung von Kleinkriminellen fertig werden, mit verwahrlosten Kindern und prügelnden Kollegen. Gnadenlos hält Regisseur Andreas Dresen ("Nachtgestalten") die Kamera drauf - auf Suff und Tristesse, Armut und Einsamkeit ostdeutscher Plattenbauschluchten. In körnigen, mit der Handkamera gedrehten Bildern schildert der Film packend das ungewohnte Milieu - und übersieht auch die (oft unfreiwillig) komischen Seiten des Polizistenlebens nicht.
Das süße Jenseits Mittwoch, 23.15 Uhr, WDR
Wer kann die Trauer ermessen? 14 tote Kinder, 14 Elternpaare, 14 private Katastrophen. Brutal werden die Kinder aus dem Leben gerissen, weil ihr Schulbus im Winter auf glatter Landstraße ins Schlittern gerät und weil genau an dieser Kurve ein See liegt, in dessen Eis der Bus einbricht. So steht es im Roman »The Sweet Hereafter« des US-Schriftstellers Russell Banks, den 1997 der kanadische Regisseur Atom Egoyan ("Felicia, mein Engel") kongenial fürs Kino verfilmt hat. Egoyan zitiert mehrfach die Fabel des Rattenfängers von Hameln; die Trauer der Eltern um die verlorenen Kinder nutzt ein ehrgeiziger Rechtsanwalt (Ian Holm) aus, um eine Schadensersatzklage anzustrengen. Doch damit beginnt die Tragödie erst richtig.
Das Literarische Quartett Freitag, 22.15 Uhr, ZDF
Das letzte »Literarische Quartett« Mitte August bescherte dem interessierten Publikum einen neuen Dauergast (Iris Radisch von der »Zeit"), einen ungewohnt zahmen Oberlehrer (Marcel Reich-Ranicki) sowie eine literatur- und sexualtheoretisch bedeutsame Erkenntnis von Hellmuth Karasek: »Erotische Geschichten«, wusste der »Tagesspiegel«-Herausgeber, »sind so gut wie ihr stärkstes Glied.« Prompt sagte Frank Schirrmacher seinen für diese Sendung geplanten Gastauftritt ab - das »Quartett« sei ihm »zu schwül«, so der »FAZ«-Herausgeber. An Schirrmachers Stelle darf jetzt die Kritikerin Ursula März ("Frankfurter Rundschau") im Sessel versinken. Falls man sie zu Wort kommen lässt, diskutiert sie mit dem Dauer-Trio über die weibliche Sicht der Dinge - auf dem Programm stehen die neuen Bücher von Elfriede Jelinek, Magdalena Tulli, Brigitte Kronauer, Olga Tokarczuk und Lorrie Moore.
Tatort: Einmal täglich Sonntag, 20.15 Uhr, ARD
»Die schärfsten Kritiker der Elche«, kalauerte einst der Humorist F. W. Bernstein, »waren früher selber welche.« Bernsteins Elchtest hat jetzt der Drehbuchschreiber Markus Stromiedel mit Auszeichnung bestanden: Stromiedel, der jahrelang in verantwortlicher Position so genannte Daily Soaps verbrochen hatte ("Marienhof«, »Geliebte Schwestern"), durfte nun seine Erfahrungen mit der TV-Seifenbranche für die neue »Tatort«-Folge des Bayerischen Rundfunks ausschlachten. »Einmal täglich« spielt am Set einer Billigserie, deren Hauptdarsteller eines Morgens mit zerschmettertem Schädel in der Kulisse liegt. Wer war's?, fragen sich die Kommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl); wie soll die Serie jetzt weitergehen?, fragt sich der Soap-Produzent. Zum Glück nehmen Autor Stromiedel und Regisseur Peter Fratzscher diese Fragen nicht allzu ernst, und das Ergebnis gibt ihnen Recht: eine überwiegend gelungene Mischung aus Groteske und Krimi. Sogar Volksmusikant Karl Moik hat hier endlich seine Bestimmung gefunden: Er spielt einen Gerichtsmediziner.