Vorschau
Ganz oder gar nicht Montag, 20.15 Uhr, Vox
Britisches Kino aufs Köstlichste: Wie arbeitslose Freunde im britischen Sheffield eine Strippergruppe aufbauen, um Sinn in ihre soziale Tristesse zu bringen, zeigt Regisseur Peter Cattaneo in diesem Film von 1997 voller Schwung, Humor und Herz.
Laila - unsterblich verliebt Dienstag, 20.15 Uhr, Sat.1
Die Wege, die die Movie-Phantasie der privaten Sender geht, sind oft so unergründlich wie göttliche Ratschläge. Dieser Film unter der Regie von Peter lly Huemer beginnt wie ein realistischer Thriller: Eine schöne Headhunterin namens Laila (Stefanie Schmid) lässt sich sexuell mit einem Kunden ein. Doch plötzlich kippt der Film in eine Gespenstershow um: Aus Lailas Mund wachsen Vampirzähne, die Schöne saugt ihr Opfer leer. Ganz realistische Figuren wie ein attraktiver Wissenschaftler (Thomas Heinze), in den sich Laila ganz irdisch-konventionell verliebt, bevölkern die Szene ebenso wie lauter überirdische Untote. Da sich der gesamte Film jeglichen Humor verkneift und todernst den Vampirismus in der Gegenwart verhandelt, wirkt »Laila« unausgegoren - weder Fisch noch Fleisch, schon gar nicht unsterblich.
Donna Leon - Vendetta Donnerstag, 20.15 Uhr, ARD
Donna Leon, in Venedig lebende, amerikanische Schriftstellerin, wollte für die Hauptfigur ihrer Krimi-Reihe einen richtigen Italiener, einen gebürtigen Venezianer, der gern isst und trinkt. Sie schuf Commissario Guido Brunetti, eine hier zu Lande ungeheuer populäre Krimi-Figur. Katharina Trebitsch, in Hamburg lebende TV-Produzentin, hat sich die Rechte an der Buchreihe gesichert und ließ zwei Krimi-Folgen verfilmen, die nun von der ARD ausgestrahlt werden (kommenden Montag, 20.15 Uhr: »Donna Leon - Venezianische Scharade"). Alle Hauptrollen werden von deutschen Schauspielern gespielt - ein echtes Risiko, denn Bild und gesprochenes Wort sind nun mal konkreter als literarische Produkte. Wo sich Krimi-Leser alles mögliche Italienische zusammenphantasieren können, müssen Fernsehzuschauer mit Joachim Król als Brunetti vorlieb nehmen - einem Schauspieler, der wenig vom Latin Lover hat und nicht mal das R vernünftig rollen kann. Abgesehen davon, dass das mit dem Ureinwohner-Image überhaupt nicht hinhaut - erst recht nicht in krampfigen Szenen, in denen Brunetti mitsamt Familie mitten im kalten Winter auf der Terrasse speisen muss -, mühten sich die Macher um eine möglichst vorlagengetreue Verfilmung (Regie: Christian von Castelberg): Król gibt den Melancholiker, Barbara Auer die versponnene Paola. Wie im Buch endet die Filmstory nicht mit der Lösung des Falls, die mafiosen Verflechtungen bleiben bedrückende Gegenwart. Vom Quotenerfolg der beiden Sendungen wird abhängen, ob die ARD noch weitere Donna-Leon-Krimis verfilmen lässt. Sollten die Zuschauer die Nationalitäten-Mogelei verzeihen und dranbleiben, hat Król noch die Chance, das italienische R zu lernen.
Der Runner Donnerstag, 20.15 Uhr, ProSieben
Schade, dass es diesen Film nicht ohne Dialog, nur mit Musik zu sehen gibt. Denn was Regisseur Michael Rowitz hier an Science-Fiction-Ambiente inszeniert hat, gleicht einem feierlichen Oratorium. Hohe Säle, viele weiße Kacheln, Computer als magische Spiegel, die auf Zuruf reagieren. Sonja Kirchberger lässt als Königin der Nacht eines verruchten Organ-Klau-Imperiums namens »Lifecorps« die smaragdgrünen Augen funkeln, Tim Bergmann agiert wie ein luschiger Tamino, der erst nach Spieleskapaden und Verpfändung seiner Organe erfährt, dass seine Pamina Anna (Doreen Jacobi) heißt. Freundliche Menschen, von der allmächtigen Organisation verfolgt, hausen irgendwo unter den Straßen Berlins. Alle fünf Minuten brechen aus irgendwelchen Türen maschinengewehrbewaffnete Wächter hervor, ein kleiner Finger wird abgeschnitten und dann wieder angenäht - alles ist so schön wirr wie in einer echten Oper. Nur, dass die Darsteller nichts zu singen haben, sondern so tun müssen, als gäbe es ein sinnvolles Drehbuch.
Downhill City Freitag, 22.45 Uhr, ZDF
Hannu Salonen drehte einen Schicksalsreigen voller Melancholie und leisem Humor. Ein finnischer Gitarrist (Teemu Aromaa) becirct mit seinem unschuldigen Charme eine herrlich sächselnde Schnellimbiss-Verkäuferin (Franka Potente), die sich daraufhin von ihrem egozentrischen Ehemann zu lösen vermag. Ein schreibgehemmter Schriftsteller bricht aus der Versklavung als Pizza-Ausfahrer aus - kleine Bewegungen lösen in diesem stillen und überaus gelungenen Nachwuchsfilm große Wirkungen aus.