Vorschau
Einschalten
Leichtathletik-WM Von Montag 18.00 Uhr an, ARD/ZDF/Eurosport
Das Pläsier von Sevilla in dieser Woche: viele Fernsehstunden Laufen, Springen, Werfen, Schwitzen und Hüpfen. Da dopt der Bär.
Der Mörder meines Bruders Dienstag, 20.15 Uhr, Sat 1
Fließband und Retorte sind nicht die schlechtesten Fernsehmeister. Alles an diesem US-TV-Thriller ist aus reißfestem Klischee: die ehrgeizige, aber gefühlsblinde Anwältin (Veronica Hamel), ihr treuherziger Polizistenfreund und der Bösewicht (Joe Penny), der direkt der Hölle entstiegen zu sein scheint. Trotzdem lassen sich fast zwei Stunden mit dieser Geschichte vor dem Bildschirm totschlagen, ohne die Sinnfrage stellen zu müssen. Die Advokatin misst seit Kindertagen ihr Brüderchen, von dem sie durch die böse Mutter getrennt wurde. Eines Tages taucht als Klient ein Mann auf, welcher das ersehnte Geschwister zu sein scheint. Doch der verlorene Bruder erweist sich als mörderischer Lotterbube.
Goethe I: nachtstudio/Faust Mittwoch, von 0.30 Uhr an, ZDF
Mainz in Habe-nun-ach-Stellung vor dem großen Alten aus Weimar: Erst disputieren Elisabeth Noelle-Neumann (Allensbach), der Historiker Michael Stürmer und der Schriftsteller Rolf Schneider das Verhältnis der Deutschen zu Goethe, dann (1.30 Uhr) gibt's Klaus Michael Grübers legendäre Inszenierung an der Berliner Freien Volksbühne von 1982 mit Bernhard Minetti.
Goethe II: Geheimakte G./Der Geist von Weimar/Das literarische Quartett Donnerstag, von 22.15 Uhr an, ZDF/ARD
Gero von Boehm spürt (22.15 Uhr, ZDF) mit kriminalistischen Methoden den wirklichen Begebenheiten auf Goethes italienischer Reise nach. Anschließend (23.00 Uhr) examiniert Marcel Reich-Ranicki sich und seine Famuli, Hellmuth Karasek, Sigrid Löffler, über das Verhältnis zum Großdichter. Parallel, in der ARD (23.00 Uhr), erklärt Peter Merseburger den Geist von Weimar.
Goethe III: Ein Fest für Goethe Freitag, 22.45 Uhr, ARD
Grau, Freund, ist alle Theorie und live des Fernsehens goldiger Schaum: Aus Frankfurt und Weimar dürfen TV- und andere Promis (Erika Pluhar, Jörg Kachelmann, Blixa Bargeld, René Kollo) über Goethen plaudern. »Großer Bahnhof für den Dichterfürsten«, heißt das, und es ist nicht wahr, dass sich Fritz J. Raddatz diesen Titel ausgedacht hat.
Ausschalten
Die Oliver Geißen Show/Ricky! Montag, 13.00 Uhr, RTL / 14.00 Uhr, Sat 1
Zwei neue Talkformate: Oliver Geißen tritt auf RTL die Nachfolge von Ilona Christen an, Ricky Harris ist die Neuerscheinung auf Sat 1. Beide säuseln vor der Premiere, sie wollten hässliche Themen meiden und »Hilfestellung und Hoffnung« verbreiten. Doch das Quoten-Gesetz der Branche ist eindeutig: Was mit Hilfestellung anfängt, landet schnell bei der Stellung im Bett, vom Sein zum Schwein führen die Wege des Talks.
Tatort: Der Duft des Geldes Sonntag, 20.15 Uhr, ARD
Die Hauptkommissare Stoever (Manfred Krug) und Brockmöller (Charles Brauer) haben in vielen »Tatort«-Krimis bewiesen, auf welch leichte Weise sie mit ihrer Frühvergreisung zu spielen vermögen. Da gab es hübsch ironische Vorführungen altmännerhafter Spleenigkeit, garniert mit wehmütigem Singsang. In diesem Krimi erstarrt die Kunst der Senil-Sensibilisten Krug und Brauer zur Masche. Die Geschichte vom Mord an einem Blumenhändler, der sich mit Wertpapieren ruiniert hat, schlägt keine Funken (Buch: Lienhard Wawrzyn, Regie: Helmut Förnbacher). Die gerontophilen Helden ermüden sichtlich bei ihrer Arbeit, denn was sie aufzuklären haben, ist aus dem Klischeebuch für TV-Krimis: der geldgeile Aktienbetrüger, der Schurke aus dem wilden Osten, die schöne falsche Sängerin.