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• aus DER SPIEGEL 48/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Schuss Montag, 20.15 Uhr, ZDF

Ein Polizeifilm der leisen Töne: Die Polizisten Rita (hervorragend: Lisa Martinek) und Martin (Felix Eitner) lieben sich, sie wollen heiraten. Bei einem Besuch ihres Freundes Bruno geraten sie in einen Raubüberfall. Bruno wird erschossen, ein Täter flüchtet, der andere ergibt sich. Martin, den sterbenden Freund in den Armen, schießt im Affekt auf den Festgenommenen. Im Mittelpunkt des nun folgenden moralischen Dilemmas steht Rita, die die Tat gesehen hat und nicht fassen kann, dass die Polizei Martin decken und sie unter Druck setzen will. Druck macht ihr auch der schmierige Journalist Oswald (brillant: Dominique Horwitz), der ahnt, dass Rita mehr weiß, als sie sagt. Zu den Stärken des Films gehört die spannungsreiche Charakterstudie der jungen Frau, die weder ihre Liebe zur Wahrheit noch die zu Martin verraten will. Nur schade, dass Regisseur Nikolaus Leytner dem Film ein verwirrend offenes Ende verpasst hat.

Herr Schmidt und Herr Friedrich Montag, 0.00 Uhr, N3

Eine deutsch-deutsche Liebe in der Provinz: Wilfried Schmidt, Kellner in einer Ost-Berliner Bahnhofskneipe, und Kurt Friedrich, Angestellter einer Textilfabrik in Niedersachsen, lernten sich in einem grenzüberschreitenden Schlagerfan-Club kennen. Ihre Liebe zueinander, in zahllosen Briefen dokumentiert, wuchs parallel zur Plattensammlung. Schmidt betrieb mit allen Mitteln die Ausreise aus der DDR und ertrug geduldig die Stasi-Bespitzelung. Seit 1980 leben die beiden nun gemeinsam in einer Doppelhaushälfte in der Nähe von Bad Bentheim, verbunden durch ihre Verehrung für Schlagerstars, die Sammelleidenschaft für Eisenbahnen, Wandteller und Trockenblumen - und ihr Schicksal als Langzeitarbeitslose. Die diskrete Dokumentation von Ulrike Franke und Michael Loeken gibt anrührende Einblicke in ein selbstgenügsames Leben im Trivialen.

Die Erpressung Dienstag, 20.15 Uhr, Sat.1

Im Namen der Quote: Sat.1 und Regisseur Stefan Krohmer schicken Uschi Glas als Richterin in den Wettbewerb um Marktanteile. Die Gute soll einen Polizistenmörder aburteilen. Aber der Böse lässt ihre Tochter entführen und will das Mädchen erst freigeben lassen, wenn er freigesprochen wird. Wie reagiert darauf eine, der »Recht und Gesetz so viel bedeuten« (Sat.1-Pressetext)? Sie leidet verhärmt und läuft und läuft und läuft sich die Hacken ab. Zum Schluss muss sie auch noch als Racheengel herhalten. Aber erst nachdem ihr erklärt wurde, wie eine Pistole funktioniert: »Einfach ziehen und abdrücken ...« Muss das sein? Nein.

»Wir haben vergessen zurückzukehren« Mittwoch, 23.30 Uhr, ARD

Als die junge Frau 1969 aus der Türkei nach Hamburg kam, musste sie weinen. In der kleinen Wohnung, die ihr Mann gemietet hatte, gab es keine Toilette, von einer Dusche ganz zu schweigen. Das sollte das reiche Deutschland sein? Der einzige Trost war die Aussicht, nach zwei bis drei Jahren Arbeit wohlhabend heimzukehren. 31 Jahre später sind die beiden immer noch in Deutschland und erzählen ihrem Sohn, dem Regisseur Fatih Akin, für die Reihe »Denk ich an Deutschland«, wie es kam, dass sie irgendwann vergaßen, nach Hause zu fahren.

Meine verlorene Tochter Freitag, 20.45 Uhr, Arte

Für die Polizei ist der Fall klar: Coralie (Florence Loiret) ist an einer Überdosis Heroin gestorben. Ihre Mutter (Brigitte Roüan) aber glaubt an Mord. Auf der Suche nach dem Täter taucht sie immer tiefer ins Drogenmilieu ab. Ein spannender Stoff, und dass Roüan eine gute Schauspielerin ist, hat sie oft bewiesen. Leider hat sie sich für die Arte-Reihe »Digitale Kameras« auch als Regisseurin verdingt - und scheitert kläglich an der Imitation des Dogma-Stils mit verwackelten Bildern, mieser Beleuchtung und Familienvideo-Ästhetik.

Tatort: Gewaltfieber Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Täter tot, Akte zu, nächster Fall - das ist nicht Lena Odenthals Art. Die herbe Kommissarin (Ulrike Folkerts) will ein Verbrechen verstehen. Vor allem, wenn es der Amoklauf eines Schülers im Lehrerzimmer ist. Der schockt, auch den Zuschauer, obwohl Martin Eigler (Regie) das Massaker nie frontal zeigt, sondern es in den Augen des Jungen, der die Toten findet, spiegelt. Die Geschichte, die dahinter steckt, hat Autor Fred Breinersdorfer kompliziert um den toten Attentäter gewickelt. Aber dies tut dem Film keinen Abbruch, er lebt von der präzisen Zeichnung der geldgierigen Jugendlichen. Nervig ist diesmal Assistent Kopper (Andreas Hoppe), dessen Hass auf Lehrer obsessiv-kindisch wirkt. Bleiben außerdem zwei Fragen: Ist Koppers Schiebermütze festgewachsen, oder warum nimmt er sie nicht mal ab, wenn er beim Fußball im Tor steht? Und wie lange findet es Breinersdorfer noch witzig, die Titel seiner Lena-»Tatorte« mit »-fieber« enden zu lassen? Nach »Schneefieber«, »Jagdfieber«, »Mordfieber« und »Gewaltfieber« schreibt er nun an »Machtfieber«. Wenn das kein Schreibfieber ist ...

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