Vorschau - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 60 / 140

Vorschau

• aus DER SPIEGEL 48/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Rückkehr des Schwarzen Buddha Montag, 20.15 Uhr, ZDF

... bedeutet zugleich die Rückkehr eines seltener werdenden Genres: des guten alten Abenteuerfilms. Der Werbefilmer Ron Eichhorn schrieb und inszenierte diese wegen der beeindruckenden Bilder chinesischen Lebens sehenswerte Geschichte der ungleichen Zwillingsbrüder Nick und Max (in beiden Rollen: Sebastian Koch). Nick lebt als Abenteurer seit langem im Reich der Mitte und hat Verbindungen zu einem Syndikat, das kostbare Antiquitäten wie einen aus dem Kloster geklauten Schwarzen Buddha an deutsche Sammler verkaufen will. Der Abenteurer schlägt schließlich auf eigene Faust zu und reißt die heilige Figur an sich. Nun jagen ihn die geprellten Betrüger, und Nick kann seinen Verfolgern nur dadurch entkommen, dass er seinen Zwillingsbruder Max, der rechtschaffen in Deutschland als Arzt arbeitet, mit einer falschen Meldung über seinen Tod ins Land lockt. Jetzt wird Max zum Verfolgten, gerät aber zum Glück an die schöne Su (Fu Chong). Am Ende ist alles in Buddha: Der böse Bruder findet im Kloster den Weg zu innerer Einkehr, der deutsche Arzt lernt, dass chinesische Medizin der westlichen nicht unterlegen ist, und der Zuschauer verzeiht die Wirrnisse der Handlung, weil er der schönen Su in schöner Landschaft ganz tief in die Augen blicken durfte.

Menschen Hautnah: Prinzessinnen Montag, 22.30 Uhr, West III

Mit Wittgenstein lässt sich sagen: Die Welt des TV ist alles, was der Knall ist. Einen leichten Knall jedenfalls scheinen alle vier Frauen zu haben, die diese Dokumentation von Anja Brendle und Georg Piller (Kamera: Michael Schehl) vorstellt. Die 50-jährige Partyveranstalterin Britt Kanja gleitet auf Rollschuhen durch Berlin und redet unerbittlich schlicht von der Macht der Schönheit, eine Kostümdesignerin hält sich für Dornröschen, die polnische Dolmetscherin Julia glaubt, dass ihre Seele betrunken gewesen sein müsse, als sie sich entschloss, ausgerechnet im stalinistischen Polen den Körper der Julia zu bewohnen. Anja verträumt ihr Leben auf Kosten der Sozialhilfe. Alle diese knallharten Damen halten sich allen Ernstes für Prinzessinnen, und die Autoren dieses Films lassen ihnen ihren Glauben nach der Devise, dass das Hautnah der Sendereihe nicht Entblößung bedeutet.

Die Hässliche Mittwoch, 20.15 Uhr, RTL

Wie beruhigend, dass in unseren neuheidnischen Zeiten das RTL-Movie die Welt des Numinosen hochhält. Ob heilige Huren oder in Anfechtung verstrickte Pfarrer - immer noch gern blickt der Kölner Sender über die Grenzen dieser Welt. Diesmal entführt »Der große TV-Roman« (Genrebezeichnung von RTL) den Zuschauer in die religiösen Sphären des Judentums: Die Cohens sind ein wohlhabender jüdischer Clan. Vater Heinrich (Dietrich Hollinderbäumer) arbeitet erfolgreich als Anwalt, seine Tochter Sophie (Anja Schiller) wacht nach schlechten Erfahrungen mit einem Partner streng darüber, dass sich nicht wieder ein Mann der Familie nähert, der es nur auf das Geld abgesehen hat. Ausgerechnet bei der Schwester Miriam (Cornelia Saborowski) scheint diese Gefahr zu drohen. Denn an die dickliche junge Frau ist der vermeintliche Gigolo Kai (Sebastian Ströbel) geraten. Der angehende Mediziner erscheint wie ein rechter Tunichtgut mit vielen Geliebten und Geldnöten. Vergebens versucht Miriams Vater, das Problem Kai mittels Scheck aus dem Weg zu schaffen, denn der junge Mann liebt die Tochter wirklich. Das hätte alles gut enden können, hätten die Autoren nicht im Alten Testament nachgeschlagen und festgestellt, dass Miriam die unglückliche Halbschwester von Mose gewesen ist. Also plagen die Heldin Kopfschmerzen, die sich als Anzeichen eines tödlichen Gehirntumors erweisen. Miriam muss sterben, auch wenn der Vater mit Kipa und Gebetstuch in den strömenden Regen läuft - der Drehbuchgott lässt sich nicht umstimmen. Dass in diesem Movie (Regie: Käthe Niemeyer) die Peinlichkeit regiert, liegt vor allem an der Hölzernheit der Texte, die die Schauspieler zu sprechen haben.

Schimanski muss leiden Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

... und der Zuschauer auch. Der von Quotenhäme überzogene Götz George - seinen Bildschirmauftritt bei Sat.1 wollten nicht viel mehr als drei Millionen Zuschauer sehen - tut es in diesem wirren Spiel dem Zuschauer gleich: Er versucht verzweifelt, einen roten Faden in all den Rätseln der Handlung zu finden. Schimi macht, was er kann: Er zieht die Anzugjacke aus und den Parka an, er schläft mit der Architektin (Christiane Hörbiger), und er beweint den Tod seines alten Vorgesetzten, aber die Geschichte um ihn herum scheint kaum Notiz von dem alten Raubein zu nehmen.

Zur Ausgabe
Artikel 60 / 140

Mehr lesen über