Vorsicht, Manne, sei klug!
Nr. 34/1997, Titel: Manfred Krug: »Dem Tod begegnet« - SPIEGEL-Gespräch mit »Liebling Deutschland« über sein Leben vor und nach dem Schlaganfall
Sieh an, das Rauhbein Krug hat auch sehr sympathische Züge. Das kommt wohltuend ungestelzt daher. Überraschend offen und natürlich redet da einer über Seiten von sich, die normalerweise dem Publikum abgewandt bleiben oder aber exhibitionistisch an die Medienglocke gehängt werden. Anrührend, wie er über seine Freundschaft zu Jurek Becker spricht, auch dann, wenn er gesteht, in schweren Zeiten »um den Tod herum geredet« zu haben. Und wo gibt es denn so etwas hier - ein Star, der sein Image mit Selbstironie zu garnieren versteht: »Mein Gehirn arbeitet wieder, freilich nur im Rahmen meiner vorherigen Möglichkeiten.«
MÜNCHEN SUSANNE HÄRTEL
Gibt es im auslaufenden Sommerloch denn keine anderen Themen, die als Titelgeschichte genommen werden konnten?
DUISBURG UWE GOHR
Was soll der Zweifingerkrug auf dem Titelbild? Ruft er da Gevatter Hein ein Ätsch nach, weil er ihm gerade noch einmal von der Schippe gesprungen ist? Oder wird der gehörnte Telekom-Aktienkäufer angedeutet? Egal, das Gespräch hat mir den Rotweintrinker, der die Beine so schön baumeln lassen kann, nähergebracht.
HAMBURG RAINER LÜNEBURG
Man kann es ruhig wiederholen: Manfred Krug ist ein beeindruckender Mensch. Einer, wie es sie heutzutage gerade in der Medienöffentlichkeit mit ihrem anbiedernden Populismus selten gibt. Er ist »echt«. Ossis und Wessis vertrauen ihm, weil er keine erstarrte Fernsehkunstfigur ist, sondern glaubwürdig und ehrlich wirkt.
DÜSSELDORF MONIKA MUKERJI
Die Titel-Pose von Herrn Krug spricht leider Bände. Nach dem Intermezzo mit dem Schnitter kein Innehalten - statt dessen schon wieder Berliner Schnauze und Telekom, Wurstigkeit und Verdrängen, garniert mit Rotwein und Zigärrchen. Als wäre fast nichts gewesen. Harald Juhnke läßt grüßen. Vorsicht, Manne, sei klug! Es ist noch längst nicht Zeit für den Gang zum Brunnen.
LEIPZIG PROF. DR. UWE HINRICHS