VS.
US-Präsident Nixon kreidet Straußens CSU ein »ungewöhnliches Verfahren« an -- so meldet der deutsche Botschafter in Washington, Rolf Pauls, per VS (Verschluß-Sache) dem Bonner AA. Grund für Nixons Verstimmung: Kurz bevor im amerikanischen Senat die Ratifizierungsdebatte über den Atomsperrvertrag anstand, hatten CSU-MdB Walter Becher, Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, und Marcel Hepp, persönlicher Referent des CSU-Chefs, in den USA Propaganda gegen den Atomsperrvertrag betrieben, den Strauß für ein »Versailles von kosmischen Ausmaßen« hält; die CSU-Emissäre hatten bei 22 Senatoren und 27 Congressmen antichambriert. Der Botschafter berichtete dem AA, daß der Bundesregierung ein offizieller US-Protest nur deshalb erspart geblieben sei, weil die Aktivität der CSU-Leute in Amerika nicht publik wurde. Pauls Warnung: In einem, Wiederholungsfall könne der Bundesregierung großer politischer Schaden entstehen. Als Becher durch Bonner Hörensagen von dem Pauls-Papier erfuhr, versuchte er, bei einem Essen mit dem Parlamentarischen Staatssekretär im AA, Gerhard Jahn, mehr Informationen zu erhalten. Jahn meldete jedoch Fehlanzeige: Er erklärte Becher, daß es so ein Papier überhaupt nicht gäbe. Er sagte die Wahrheit, denn zu dieser Zeit war der Pauls-Bericht bereits spurlos verschwunden. Das AA mußte bei Pauls eine Kopie des vertraulichen Kabels anfordern.