POLEN Wacklige Fluchtburg
Während Deutschland tschetschenische Flüchtlinge nach wie vor in ihre Heimat abschiebt, suchen immer mehr Menschen aus der kaukasischen Kriegsregion Rückhalt in Polen. In neun Flüchtlingszentren - das neueste öffnete Ende September bei Bialystok - halten sich derzeit rund 1800 Tschetschenen auf; sie stellen damit die größte Flüchtlingsgruppe im Lande. Anders als in die Europäische Union können Tschetschenen nach Polen noch mit ihrem russischen Inlandspass und ohne Visum einreisen, die meisten stellen einen Antrag auf Asyl. Bis darüber entschieden ist, erhalten sie ein Dach über dem Kopf in einer provisorischen Unterkunft, drei Mahlzeiten täglich und 47 Zloty Taschengeld im Monat (knapp 12 Euro). Mehr als 90 Prozent der tschetschenischen Asylanträge werden jedoch abgelehnt. Die Menschen werden dann zwar nicht ausgewiesen, haben aber weder einen gesicherten Rechtsstatus noch Anrecht auf weitere soziale Fürsorge. »Sogar Familien mit kleinen Kindern landen dann auf der Straße«, kritisiert Agnieszka Siarkiewicz vom Büro des Uno-Flüchtlingskommissars in Warschau: »Ihnen droht der Absturz ins Elend.« Deshalb versuchen die meisten von ihnen, doch noch weiter nach Westen zu kommen - vor allem nach Deutschland, illegal.