Waffen vom Basar - DER SPIEGEL
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PAKISTAN Waffen vom Basar

Seit seiner Gründung solidarisierte sich Pakistan mit den islamischen Ländern. Jetzt zahlt sich das aus: Wird Pakistan in einen Krieg mit Indien verwickelt, wollen die Glaubensbrüder mit Geld und Waffen helfen.
• aus DER SPIEGEL 46/1971
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Arabische Schmuggel-Dhaus schaffen regelmäßig heilhäutige Töchter armer Bergbauern aus dem westpakistanischen Himalaja-Fürstentum Swat auf die Sklavenmärkte des Ölscheichtums Abu Dhabi am Persischen Golf.

Flugzeuge bringen pakistanische Offiziere nach Jordanien, Saudi-Arabien und Kuweit, wo sie Beduinen im Bedienen moderner Waffen drillen

Pakistanische Propagandisten, die lange schon von einer großislamischen Gemeinschaft träumen, die von Marocko bis Indonesien reichen soll, kämpfen in Wort und Schrift an der Seite ihrer arabischen Glaubensbrüder gegen den zionistischen Feind.

Pakistan hat es seit seiner Staatsgründung nie versäumt, sich mit den Mohammedanern dieser Welt zu solidarisieren. Jetzt zahlt sich das aus.

Das durch den Bürgerkrieg in Bengalen wirtschaftlich ruinierte Land konnte im Krisenjahr 1970/71 seine Exporte in den Nahen Osten von 200 auf 238 Millionen Mark erhöhen: Anspruchslose Araber nehmen dem Baumwoll- Produzenten Westpakistan Ausschuß-Textilien ab, die früher an die abhängigen Ostbengalen verramscht wurden.

Saudi-Arabiens Öl-König Feisal schickte Pakistans Staatsgeneral Jahja Khan einen Scheck über 50 Millionen Dollar für den drohenden Krieg mit Indien. Die reichen Scheichs vom Persischen Golf versprachen Finanzhilfe in unbegrenzter Höhe.

Pakistan braucht das Geld für die Schlacht mit dem Erbfeind: Der Krieg mit Indien 1965 hat gezeigt, daß auf dem ebenen, fast deckungslosen Hauptkampfplatz an der indisch-westpakistanischen Grenze verlustreiche Materialschlachten kaum zu vermeiden sind, Vor sechs Jahren bedeutete das ein ungewolltes Ende der Kämpfe wegen beiderseitigen Mangels an Munition und Ersatzteilen.

Anders als Indien, das inzwischen wenigstens einige wichtige Jet- und Panzer-Typen in Lizenz im Lande baut, muß Pakistan noch immer Waffen und Nachschub komplett im Ausland kaufen -- und zwar fast in jedem Waffen exportierenden Land.

Die Ausrüstung der pakistanischen Streitkräfte gleicht dem Katalog eines Waffenhändlers, der die ausgemusterten Geräte sämtlicher Armeen verhökert.

Die Armee fährt 1170 Panzerfahrzeuge (Indien: 1450) -- meist veraltete Typen -- aus den USA, der Sowjet-Union und China (das seit März 100 neue Tanks lieferte) und verschießt in der Bundesrepublik entwickelte Cobra-Panzerabwehrraketen.

Die Marine bedient 26 Schiffe (Indien: 58) aus Frankreich, Großbritannien und den USA. Die Luftwaffe fliegt 285 Jets (Indien: 625) aus China, der Sowjet-Union, den Vereinigten Staaten und Frankreich.

Einer der Gründe für diese Typenvielfalt ist die islamische Solidarität. Bessergestellte Mohammedaner-Staaten bieten ihre ausgemusterten Waffen auf dem nahöstlichen Basar den Glaubensbrüdern zu Vorzugspreisen an und helfen bedrängten Freunden, Waffenembargos der Großmächte zu umgehen.

Pakistan bekam so aus der Türkei alte US-Tanks und Bazookas. Jordanien, dankbar für die Ausbildung seiner Piloten -- den einzigen arabischen Luftsieg im Sechs-Tage-Krieg mit Israel 1967 errang ein pakistanischer Fluglehrer -, lieferte Starfighter nach Pakistan weiter.

Libyens Staatschef Gaddafi kaufte für seinen Kollegen Jahja Khan dieses Jahr in Frankreich 25 Mirage-Düsenjäger.

Nachbar und Bruder in Allah Schah Resa Pahlewi, den Pakistanis in zwei -- mehr wirtschaftlichen -- Pakten verbunden, leistet die praktischste Hilfe. Wie im vergangenen will er auch in einem kommenden Krieg pakistanischen Piloten erlauben, ihre Jets nach Einsätzen über Indien im nahen Iran zu landen, aufzutanken und zu reparieren. Darüber hinaus stellt sich der fast ausschließlich amerikanisch aufgerüstete Iran darauf ein, dem Nachbarn während eines Kriegs Ersatzteile für alle US-Geräte zu liefern.

Schon 1966 hatte persische Kulanz gegenüber Pakistan Bonn verärgert: Die Bundesrepublik hatte 90 ausgediente Düsenjäger vom Typ F-86 an die Perser verkauft; kurz darauf wurde bekannt, daß 60 dieser Maschinen in Pakistan gelandet seien.

Iran und Pakistan dementierten eilfertig den unerlaubten Weiterverkauf und versicherten, daß der -- technisch weiterentwickelte -- Iran die Jets im rückständigeren Pakistan nur »warten lasse«.

Seit einigen Jahren taktieren die beiden Staaten etwas vorsichtiger. Die persische Luftwaffe schickt Amerikas schnellsten Export-Jagdbomber Phantom nicht über die Ostgrenze, bildet aber pakistanische Gastpiloten im Iran an diesem Düsenjäger aus.

Während eines Besuchs in Teheran schloß Jahja Khan im September ein Beistandsabkommen mit dem Schah. Ein Paragraph: Im Kriegsfall leiht Persien dem Nachbarn zehn der schnellen Vögel -- die jedem indischen Kampfflugzeug überlegen sind.

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