Waffenkäufe in aller Welt - DER SPIEGEL
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Waffenkäufe in aller Welt

Ausländer halten Gaddafis Militärmaschine in Gang
• aus DER SPIEGEL 35/1981
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Devisenreichtum und eigenwillige Außenpolitik haben dem Libyen des Obersten Gaddafi eines der buntesten Waffenarsenale der Dritten Welt beschert.

Denn trotz seiner bösen Ausfälle gegen westliche Industriestaaten ist der Wüstendiktator in diesen Ländern ein gern gesehener Waffenkäufer -- weniger spektakulär zwar als Saudi-Arabien, aber nicht weniger folgenlos für die Nahost-Region.

Den besten Schnitt jedoch machte Moskau, das den Waffenexport der Kapitalisten in Länder der Dritten Welt so gern verdammt.

Schon ehe Ägyptens Präsident Sadat die sowjetischen Militärberater 1972 aus seinem Land warf, war Libyen einer der wichtigsten Käufer sowjetischen Kriegsgeräts. Im Kreml schätzt man die beiden Vorteile, die Libyen anderen Entwicklungsländern im Waffenkommerz voraus hat: die geopolitisch und strategisch wichtige Lage am Südrand des Mittelmeers und die Fähigkeit, modernstes und daher teuerstes Kriegsgerät sofort bar bezahlen zu können.

So stehen Moskaus Paradestücke der Luftrüstung, Abfangjäger der Typen MiG-23 und MiG-25, seit Jahren auf den libyschen Stützpunkten El Adem und Okba Ben Nafi im Einsatz.

Die rotweißschwarzen Hoheitszeichen am Leitwerk können jedoch nicht verdecken, daß Libyens modernstes Rüstungsgut weitgehend von sowjetischen Piloten in der Luft gehalten wird. Insgesamt tun derzeit ein- bis zweitausend Sowjets in Gaddafis Streitmacht Dienst, als Militärberater, Ausbilder und aktive Piloten. Kaum verwunderlich daher, daß die angesehene englische Fachzeitschrift »Flight International« meint, der Stützpunkt Okba Ben Nafi, auf dem auch die jetzt abgeschossenen Su-22 stationiert waren, werde »fast vollständig von den Sowjets betrieben«.

Aber nur fast. Denn außer Russen halten 600 bis 1000 Kubaner in Zivilkleidung Gaddafis Militärmaschine in Schuß, helfen Spezialisten aus Ost-Berlin im Geheimdienst und bei der Polizei. Etwa 20 Nordkoreaner und einige Pakistanis schulen Libyens Pilotennachwuchs -- mit gemischtem Erfolg: Zwei fahnenflüchtige Libyer flogen Abfangjäger vom Typ MiG-23 auf Nato-Gebiet, einer zerschellte dabei, im Juli vergangenen Jahres, mit seinem Flugzeug in Italien.

In allen drei Waffengattungen des Wüstenstaats herrscht jedoch friedliche Koexistenz zwischen westlichen und östlichen Waffensystemen. Im Heer unterstützen amerikanische und italienische Mannschaftstransportwagen die knapp 2500 sowjetischen Kampfpanzer.

Patrouillenboote und eine Fregatte britischer Abkunft schippern neben französischen Schnellbooten und sowjetischen U-Booten für Gaddafi durchs Mittelmeer.

Abfangjäger aus der Sowjet-Union fliegen neben französischen Mirage-Jägern Patrouille, amerikanische Hercules-Transporter sorgen für den Nachschub der kämpfenden Truppen -- sei es bei den von Gaddafi angeheizten Grenzstreitigkeiten mit dem Nachbarn Ägypten, sei es im fernen Uganda, wo eine dieser Maschinen bei Libyens Hilfsaktion für den damaligen Diktator Idi Amin zu Bruch ging.

Sogar Brasilien, Neuling auf dem internationalen Rüstungsmarkt, konnte 1977 mit Libyen einen seiner ersten Exportverträge abschließen: über etwa 200 gepanzerte Mannschaftstransporter. S.95

Washington hingegen weigerte sich 1974, Exportlizenzen für weitere acht mittlere Transportflugzeuge vom Typ C-130 »Hercules« zu geben. Obwohl bereits von Gaddafi bezahlt, stehen die Maschinen seitdem in den USA.

Verärgert suchte Gaddafi daraufhin bei Libyens Ex-Kolonialmacht Italien Ersatz und handelte sich neuen Zank mit Washington ein. Italiens Rüstungsschmiede Aeritalia zeigte sich willens, 20 Transportflugzeuge vom Typ G.222 zu verkaufen, die jedoch einen schweren Nachteil haben: Italienische Techniker montieren vor der Fertigstellung US-Triebwerke unter die italienischen Tragflächen.

Prompt wurde Washingtons Botschafter in Rom vorstellig, und auf amerikanischen Druck mußte die italienische Regierung auf die begehrten Petrodollar verzichten -zumindest zum Schein.

Aeritalias Ingenieure und Oberst Gaddafi rächten sich auf ihre Weise: Die Flugzeugbauer fanden bei Rolls-Royce in Großbritannien Ersatztriebwerke vom Typ Tyne.

So werden derzeit die ersten 20 Maschinen des umgebauten Typs G.222 an Libyens Luftwaffe ausgeliefert. Und Gaddafis Waffeneinkäufer verhandeln mit den Italienern über den Ankauf von weiteren 20 Maschinen.

Wie viele seiner überschüssigen Öl-Millionen Gaddafi aber auch in Wehr und Waffen steckt -- einen natürlichen Mangel kann er kaum wettmachen: Sein Reich zählt nicht mal drei Millionen Einwohner.

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