WAHLPROGRAMME
Die Eckertsche Auffassung kann eine brauchbare Grundlage für das zweite Fernsehprogramm sein. Gerät es aber in private Hände, dann sind der kommerziellen Piraterie Tür und Tor geöffnet. Kunst und Geschäft gehören nicht zusammen. Und gerade das Fernsehen der Neuen Welt bietet ein Beispiel dafür, wie es bei uns niemals werden sollte.
Berlin W 15 YORK BÖTZOW
Ich fürchte, daß die Kontrast-Versuche mit dem ersten und dem zweiten Fernsehprogramm ebenso erfolglos bleiben werden wie die damaligen Bemühungen um Gegensätzlichkeit zwischen der Mittelwelle und UKW ...
Hamburg 13 HORST BENTHIN
Wie gefährlich muß das »Schlagwort« vom Kontrastprogramm im Fernsehen dem Dr. habil. Gerhard Eckert erscheinen! Oder ist es ihm darum zu tun, seine Fähigkeiten als Anwalt des zweiten Programms zu zeigen? Wenn aber Anwalt, dann offenbar einer von denen, die mit Erfolg bestreiten, was niemand behauptet, und die beweisen, was niemand bestreitet. So ficht er gegen eine von niemandem vertretene Vorstellung vom Kontrastprogramm und versetzt dieser tapfere Hiebe. Er hat nur insofern Pech, als der Heckschütze des zweiten Programms, im Zivilberuf Vorsitzender des zuständigen Bundestagsausschusses, ebenso tapfer, aber ohne auf die Weisungen seines innenministeriellen Starpiloten zu hören, im Äther herumschießt und seinerseits ein Kontrastprogramm propagiert, über das zu reden man sich allerdings sparen kann. Kommen wir also zur Sache. Zwei Fernsehprogramme können
- mit genau gleichen Sendezeiten nebeneinander herlaufen und dabei a) jeweils genau gleichartige, b) pedantisch verschiedenartige Programme ausstrahlen. Nach dem Muster a) wurde die so vielgepriesene Konkurrenz zwischen BBC und ITA jahrelang auf dem Rücken der Zuschauer ausgetragen;
das Muster b) ist der eine Popanz des Herrn Eckert;
- bei völlig verschiedenen Sendezeiten prinzipiell nur verschiedenartige Programme ausstrahlen. Das ist der andere Popanz des Herrn Eckert;
- beziehungslos nebeneinander herlaufen. Das ist Dr. Eckerts Methode, auf Kosten der Zuschauer zu tun, was ihm Spaß macht;
- behutsam aufeinander abgestimmt sein, so daß die Zuschauer wirklichen Gewinn aus den zwei Programmen ziehen.
Letzteres ist der Vorschlag der Rundfunkanstalten. Er setzt eine vernünftige Verständigung voraus, aber weder gegenseitige Abhängigkeit noch die gleichen Programmgestalter. Wer sollte es allerdings den Rundfunkanstalten verübeln, wenn sie der Meinung sind, sowohl die Zuschauer als auch die nicht allzu reich strömenden personellen, geistigen und künstlerischen Quellen der Fernseharbeit seien bei ihnen am besten aufgehoben? Denn sie machen immerhin seit vielen Jahren mit nachweisbarem Erfolg ein Programm, während die anderen nur davon reden. Aber die Rundfunkanstalten wären bereit, sich mit jedem Partner zu verständigen.
Maßgebend dabei können nur die Zuschauer sein. Diese wollen von fast allen Programmarten (nicht nur von der Unterhaltung, Herr Eckert!) mehr Sendungen haben; daraus folgt, daß man in der Regel gleichartige Programme nicht auch gleichzeitig bringen kann. Es gibt aber Sendungen, die fast allen Zuschauern gefallen, vorab die Tagesschau. Sie muß also gleichzeitig in beiden Programmen erscheinen. Dadurch gewinnt man die gleiche Anfangszeit für die beiden folgenden Hauptsendungen des Abends. Diese selbst sollten so verschieden wie möglich sein, damit den Zuschauern in beiden Menüs zwei möglichst verschiedene Hauptgänge angeboten werden. Das freie Kräftespiel des Herrn Eckert mag sich dann beim Nachtisch austoben.
München DR. CLEMENS MÜNSTER
Fernsehdirektor
des Bayerischen Rundfunks
Reine Fachsimpelei vom »grünen Tisch«, Oder hat Dr. Eckert praktische Programm-Erfahrung?
Düsseldorf HEINZ EVERT
Zweites Fernsehprogramm? Lächerlich! Schauen Sie auf die Richtung der Fernsehantennen in den Hamburger Randgebieten. Sie sind in großer Zahl auf den Sender der DDR eingestellt. So schafft sich der Bundesbürger ohne langwieriges Palaver ein eigenes Kontrastprogramm, und die Bonner Verantwortlichen hinken wieder - wie immer - hinterher...
Hamburg-Harburg ERNST MÖLLERS
. . . gibt es hier in Berlin und im Zonengrenzgebiet bereits zwei Programme. Das Deutsche Fernsehen hat daraus leider noch keine Konsequenzen gezogen!
Berlin-Dahlem GERHARD MONK
Eckert
Münster