Wahltip - DER SPIEGEL
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Wahltip

• aus DER SPIEGEL 36/1969
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Axel Springers »Hamburger Abendblatt« hörte die »neuesten in Bonn umlaufenden Gerüchte": Die Freien Demokraten bereiteten »einen schwerwiegenden taktischen Schachzug« vor: Für die zwischen Christ- und Sozialdemokraten strittigen Wahlkreise wollten »sie die Parole ausgeben, mit der Erststimme den Bewerber der SPD zu wählen und die Zweitstimme der FDP zu geben«, so meldete das Blatt am vergangenen Montag. Hätten die FDP-Wähler bei der letzten Bundestagswahl die Taktik à la »Abendblatt« angewandt, so hätte die SPD tatsächlich den Christdemokraten 34 Wahlkreise abgejagt, doch würde sie über die Listen ebenso viele Mandate wieder einbüßen. Die Sitzverteilung (ohne die nicht stimmberechtigten Berliner) im Bundestag bliebe unverändert:

Ursprung der Bonner Gerüchte: Am vorletzten Dienstag hatte FDP-Chef Walter Scheel bei einem Bier- und Kornabend im Schleswiger »Hohenzollern« scherzhaft verkündet, wie eine SPD-FDP-Koalition eine sichere Mehrheit bekommen kann: »Jeder FDP-Wähler müßte mit der Erststimme den SPD-Kandidaten wählen und jeder SPD-Wähler seine Zweitstimme der FDP geben« (SPIEGEL 35/1969). Nach Scheel-Rezept wäre bei der letzten Bundestagswahl die FDP die stärkste Partei geworden; über die Landeslisten hätte sie 251 Mandate, die CDU/CSU 125 plus 120 Direktkandidaten erhalten. Die SPD wäre Wahlverlierer mit 128 Abgeordneten -- alles Überhangmandate. (Wenn eine Partei in einem Bundesland mehr Direktkandidaten durchbringt, als ihr nach dem Anteil an Zweitstimmen zustehen, erhält sie Überhangmandate; dieser Fall trat bei der letzten Bundestagswahl nicht ein.) SPD und FDP zusammen hätten 1965 eine Mehrheit von 134 Stimmen gehabt. Die Sitzverteilung hätte so ausgesehen:

Ein ebenso großes Stimmen-Plus der beiden Parteien wäre auch bei einer Umkehrung des Scheel-Tips entstanden. Hätten alle SPD-Wähler ihre Erststimme der FDP und alle FDP-Wähler ihre Zweitstimme der SPD gegeben, so hätte die SPD 251 Listenmandate und die FDP 128 Überhangmandate erhalten. Die Sitzverteilung:

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