Walter Wallmann,
57, hessischer CDU-Ministerpräsident, hat sich für seine Initiative, mit Jahresbeginn den bundesweit ersten staatlichen Tierschutz-Beauftragten zu bestallen, herbe Kritik eingehandelt. Die Proteste aus Wirtschaft und Wissenschaft entzünden sich vor allem an der Lobbyisten-Vergangenheit des neuen Mannes: Ilja Weiss, 36, war bis Ende Dezember 1989 Beirat des »Bundesverbandes der Tierversuchsgegner« und hat immer wieder an spektakulären, gegen die Praktiken in den Labors gerichteten Aktionen teilgenommen (Foto u.). In seiner Berufung nach Wiesbaden sieht Weiss einen »bislang einmaligen politischen Menschenversuch für Tiere«. Scharf reagiert hat auf dieses Experiment vor allem der Vorstandsvorsitzende der Hoechst AG, Wolfgang Hilger: Er droht damit, die Forschung des Pharma- und Chemiekonzerns ins Ausland zu verlegen: Wenn ein Mann berufen werde, der »gesetzwidrige Aktionen unterstützt, dann werden Zeichen gesetzt, die wir beachten müssen«. Ministerpräsident Wallmann beruhigte daraufhin aufgebrachte Unternehmer mit dem Hinweis, der Tierschutz-Beauftragte habe keinerlei Vollzugskompetenzen. Durch dieses Manöver hat der wendige Landesvater nun allerdings die hessischen Grünen mißtrauisch gemacht. Sie vermuten, Weiss sei nur »ein Fressen für die Geier«.