Walter Wallmann
Walter Wallmann , 70, ehemaliger Bundesumweltminister und Ministerpräsident von Hessen, hat es sich mit seinem Parteifreund Helmut Kohl verscherzt. In seiner Autobiografie »Im Licht der Paulskirche« hat sich der Hesse neben umfänglichen Lobreden auf den Altkanzler in neun Zeilen auch vorsichtige Kritik gestattet: Wallmann missfiel, dass Kohl ganz selbstverständlich die Anrede »Herr Bundeskanzler« erwartete, Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung aber regelmäßig nur mit dem Familiennamen anredete und duzte. »So etwas hielt ich für stil- und würdelos.« Auch seine »Unart«, Menschen, die er siezte, in der Mehrzahl mit »Ihr« oder promovierte Mitarbeiter ohne den Doktortitel anzureden, störte den sensiblen Christdemokraten. Nicht zuletzt deshalb lehnte er in den achtziger Jahren das Angebot ab, statt Wolfgang Schäuble Chef des Bundeskanzleramts zu werden. Kohl, der selbst an seinen Erinnerungen arbeitet, muss Wallmanns rund 250 Seiten starke Autobiografie penibel durchforstet haben - in einem Brief entzog er dem langjährigen Duzfreund nun förmlich das »Du«. Wallmann kann die schroffe Reaktion nicht verstehen: Seine Kritik sei doch »marginal gegenüber meiner Wertschätzung für den Staatsmann und Politiker«.