POLIZEI Was nun?
Rauschgiftschmuggel-Fälle werden in der Hansestadt numerisch registriert: Bei den ungeraden Nummern ist die Zollfahndung federführend, bei den geraden die Kriminalpolizei.
Auf diese Weise wurden die Kompetenzen verteilt, seit beide Dienststellen in der im Juli vorigen Jahres aus 50 Beamten zusammengesetzten »Gemeinsamen Fahndungsgruppe Rauschgift« (GFGR) gemeinsame Sache gegen Haschhändler machen.
Doch manchmal, wenn die alte Rivalität zwischen Stadtstaatenbeamten und Bundeszöllnern ausbricht, bekommt die von den Behördenspitzen zusammengezimmerte Einigkeit Risse -- weil, wie ein Kriminalbeamter ironisch erläutert, die Kripo »eher nach kriminaltaktischen Gesichtspunkten« operiert, während die Kollegen vom Zoll »wohl die Reichsabgabenordnung mit der Muttermilch eingesogen haben«.
Als dieser Tage die GFGR-Leute unversehens ein Hasch-Schmugglerteam ins Visier, offenbar aber nicht alle Beteiligten zu fassen bekamen, gab es neuen Zwist: Ungeschickte Zöllner, so beklagte sich ein Kripo-Mann bei der Presse, hätten »die Gangster verjagt«.
Der verwickelte Hergang: Bei Überprüfung einer verdächtigen Garage in Hamburg-Harburg entdeckten Beamte des Kfz-Diebstahls-Dezernats einen englischen Reisewagen, Typ Bentley, mit ausgebautem Tank, dann den Benzinbehälter und einen Koffer, beide angefüllt mit 125 Kilogramm Haschisch. Die Kriminalisten machten Meldung und gingen in Deckung, weil, so ein Tip, möglicherweise zwei VW-Transporter und ein schwarzer Mercedes eintreffen würden. Als die Transporter tatsächlich anrollten, konnten drei Männer festgenommen und ein Zentner Haschisch sichergestellt werden. Dann aber brausten alarmierte Zöllner der GFGR mit Blaulicht und Martinshorn heran -- das schwarze Gangsterauto kam nicht.
»Das wäre nicht anders gelaufen«, nimmt Kriminaldirektor Hans Zühlsdorf die Zollbeamten in Schutz, »wenn nur Kripo beteiligt gewesen wäre.«
Leitende Beamte beider Behörden sind sich einig, daß »alles nur hochgespielt« (Hamburgs Finanzpräsidenten-Stellvertreter Ulrich von Wissel) sei und »weder Zoll noch Kripo ein Vorwurf« (Hamburgs Kripochef Garrelt Danker) gemacht werden könne.
In der unteren Beamtenriege freilich rumort der Ärger, wenn eine Aktion fehlgeschlagen ist -- wie jene Schmugglerjagd Ende April, die mit gegenseitigen Anschuldigungen endete.
Damals hatten die Zollfahnder einen heißen Tip bekommen, auf den sie vorbereitet waren: Eine Lieferung Haschisch, eingewickelt in Orientteppiche, war auf dem Luftwege von Frankfurt nach Hamburg -- »unglücklicherweise«, so Zollfahndungschef Günter Wuttig, »in der Nacht auf Sonntag«.
Zwar hatte man sich, so von Wissel, in der GFGR »vorher unterhalten, was zu tun sei«, nämlich nach Möglichkeit Abholer und Empfänger aufzuklären und einzufangen, doch nun »standen die Herren vor der Frage, was nun?«
Die Herren vom Zoll entschieden sich für den Alleingang. Sie öffneten die Teppichballen, entnahmen ihnen rund 200 Kilo Haschisch bester Qualität ("Schwarzer Afghan") -- Wert: etwa eine halbe Million Mark -- und verschnürten die Pakete wieder. Dann verständigten sie die Fahndungsgruppe.
Nun war die Kripo an der Reihe. Sie observierte den Teppichtransport, bis die Ladung von einem Lastwagen abgeholt wurde, folgte dem Lkw auf einem verschlungenen Kurs -- und verlor ihn aus den Augen.
Später wurde das Fahrzeug samt Tarnladung im Freihafen verlassen aufgefunden. Ob die Hasch-Schmuggler durch das fehlende Rauschgift, wie Kriminalbeamte anklagend vermerkten, oder durch ungeschickte Verfolgung, wie Zöllner der Kripo vorwarfen, gewarnt worden waren, bleibt ungeklärt.
Zoll-Vorsteher Wuttig glaubt jedenfalls, seine Leute hätten recht gehandelt: »Wenn wir das Rauschgift dringelassen hätten, wäre das Malheur noch größer gewesen.«