WEISE BESCHRÄNKUNG - DER SPIEGEL
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Briefe

WEISE BESCHRÄNKUNG
• aus DER SPIEGEL 20/1960
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WEISE BESCHRÄNKUNG

Das Wahlergebnis von Wisconsin wurde von der Presse tagelang mit großer Geschwätzigkeit, der sich selbst die »New York Times« nicht enthalten konnte, diskutiert. Der katholische Senator Kennedy hatte die meisten Stimmen erhalten und vor allem in den städtischen Wahlbezirken den Sieg davongetragen. Sein Gegner, der protestantische Senator Humphrey, war dagegen bei der Landbevölkerung erfolgreich gewesen: Auf Grund der Tatsache, daß sich in Wisconsin, wie überall in den Vereinigten Staaten, der Katholizismus in den Städten konzentriert, das Land dagegen vorwiegend protestantisch ist, wurde gefolgert, die Wähler seien weitgehend von konfessionellen Überlegungen bestimmt gewiesen. Dieser Schluß ist jedoch zu primitiv und wird den tatsächlichen Verhältnissen nicht gerecht.

Bei der Beurteilung dieses Wahlergebnisses muß man vor allem folgende Faktoren in Betracht ziehen:

- Als Neu-Engländer, selbst aus einer Großstadt (Boston) stammend, als Harvard-Mann, als Angehöriger einer Millionärsfamilie, vor allem aber als populärer Politiker übte Kennedy auf die Städter eine größere Anziehungskraft aus als auf die Farmer des Mittelwestens.

- Durch seine richtungweisende Beteiligung an der Arbeitsgesetzgebung erwarb er sich große Sympathien bei den Gewerkschaften und der Industriebevölkerung...

Im übrigen verhält sich die katholische Kirche völlig neutral und verliert kein Wort für Kennedy. Ein prominenter Theologe, der Redemptoristenpater Francis C. Connell, schrieb kürzlich in der amerikanischen »Ecclesiastical Review":

Ein Katholik, der für einen Kandidaten stimmt, weil dieser Katholik ist, und dabei einen nicht katholischen Kandidaten übergeht, obgleich jener seiner Meinung nach einen besseren Präsidenten abgeben würde, macht sich einer Sünde schuldig ... In anderen Worten: Eine »katholische Partei« sollte es in unserem Land nicht geben.

New York KURT KUEN

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