WELFEN
(Nr. 37/51, Deutschland)
Ob Dich der Mund des Freundes preist,
Ob Dich der Feind verstieß vom Throne,
Noch lebt der alte Welfengeist!
Noch gibt es eine Welfenkrone!
Na, Gott sei Dank! Mit zitierter erhabener Inschrift an erhabener Stelle fuhr am 4. September des post-Christum-Jahres 1951 ein Wagen durch die Straßen der Landeshauptstadt Hannover aus Anlaß der Hochzeit des Prinzen Ernst August aus dem Welfenhause und der Prinzessin Ortrud aus dem Hause Schleswig-Holstein, Sonderburg-Glücksburg. Wohlvorbereitet durch die hannoversche Tagespresse erhob sich plötzlich ein Welle verehrungssüchtiger Gefühle gegenüber dem angestammten Herrscherhause, und so wird die Zeit für die Erneuerung des Königtums nicht fern sein, zumal ja auch sonst in nicht-provinziellen Blättern - z. B. in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« - in der letzten Zeit ernsthafte Betrachtungen über die Wiedereinführung der Monarchie angestellt werden. Ich bin nur froh, daß ich Hannoveraner und kein Zugereister bin. Denn wer weiß, wie sich das neuerwachte und bald womöglich monarchisch repräsentierte Stammesbewußtsein eines Tages noch gebärden wird! Vielleicht so ähnlich, wie wir es manchmal von den Bayern hören. Ob aber meine Frau, auch eine geborene Niedersächsin, trotz ihrer Stammeszugehörigkeit vor Unbill bewahrt bleiben wird, wage ich zu bezweifeln, da sie die Prinzessin nicht schön genug fand und diese gotteslästerliche Ansicht auch öffentlich zum Ausdruck brachte. Die Landesmutter nicht schön genug! Fi donc!
Hannover
Harry Herrmann
Schon lange war kein Konterfei So nett wie das auf Seite drei,
Rechts unten, wo, verzückten Blicks,
Die Dame schmilzt nach ihrem Knicks,
Jedweder Zoll ein Untertan - An diesem Bild ist »alles dran«! Möcht wissen wie's der Dame geht,
Wenn sie mal vor dem Herrgott steht.
Hamburg
Hannes Matzen