GRÜNE Wer wird Spitze?
Im Schatten der Diskussion um die K-Frage bei der Union ringen auch die Grünen erbittert um die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl 2002. Erstmals in ihrer Geschichte wollen die Alternativen offensiv eine Leitfigur auf ihren Plakaten präsentieren. Doch seitdem der Bundesvorstand kurz vor Weihnachten einen Personalvorschlag für die nächste Parteiratssitzung am 21. Januar ankündigte ("Der Sack muss zugemacht werden"), streitet die Führung heftig über mehrere Varianten. Als wahrscheinlich gilt, dass Außenminister Joschka Fischer als alleiniger Spitzenkandidat antritt. Aus der Parteiführung, die die Kür ganz ungrün ohne Basisbeteiligung betreibt, wollen aber gleich zwei Frauen mit dem übermächtigen Patriarchen Fischer eine klassisch grüne Doppelspitze bilden: die populäre Verbraucherministerin Renate Künast und Parteichefin Claudia Roth, die offenbar besondere Ambitionen auf eine herausgehobene Position im Wahlkampf erkennen lässt. Aus dem Spiel scheint Umweltminister Jürgen Trittin; im Parteirat hat der ungeliebte Linke bereits Unterstützung für einen Spitzenkandidaten Fischer signalisiert. Wegen der Schärfe des Streits wird als Notlösung aber auch der Rückzug auf die lang geübte Praxis erwogen: den völligen Verzicht auf Spitzenkandidaten.
Abseits ihrer K-Frage haben die Ober-Grünen sich geeinigt, ihren Mini-Werbeetat für den Wahlkampf (rund 1,5 Millionen Euro) an die Hamburger Agentur »Zum goldenen Hirschen« zu vergeben. Die Werber, die für Trittins Ministerium eine peppige Ökosteuer-Kampagne entwickelt hatten, beeindruckten selbst den zu Nörgelei neigenden Außenminister. »Die sind's«, so Fischer nach der Präsentation, »die fordern unsere Kreativität.« Verbraucherministerin Künast hat schon einen Wahlslogan parat, falls sie zur Spitzenfrau gekürt wird: »Jetzt geht's um die Wurst.«