WERNER DOLLINGER - DER SPIEGEL
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WERNER DOLLINGER

• aus DER SPIEGEL 48/1964
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WERNER DOLLINGER

weiß, was Vermögen wert ist; er kann sich aus der Bonner Politik notfalls auf die Dampfziegelei Dehn im mittelfränkischen Neustadt an der Aisch zurückziehen, deren Leiter der promovierte Volkswirt bis zu seinem Kabinetts-Eintritt im Dezember 1962 war und in deren Besitz er sich mit seiner Frau teilt. Außerdem ist Dollinger Teilhaber der väterlichen Lebensmittelgroßhandlung in Neustadt, wo er 1918 geboren wurde, und Eigentümer eines Bauernhofs in Unterstrahlbach bei Neustadt. Seine politische Karriere begann Dollinger als Hobby. Er ließ sich 1946 für die CSU in den Neustädter Stadtrat wählen, hatte aber nicht vor, die Politik zum Beruf zu machen. Angebote, Bürgermeister oder Landrat zu werden, lehnte er ab.

Die Bundestagskandidatur im Wahlkreis Erlangen übernahm Dollinger 1953 nur, weil er von ihrer Aussichtslosigkeit überzeugt war: »Da hatte die CSU 1949 an vierter Stelle gestanden. Mit dem Argument, Sie werden hier nicht gewählt und nutzen der Sache, ließ ich mich überreden.« Von seinem Wahlerfolg im Sog des christ-demokratischen Erdrutsches völlig überrascht«, hat ihm in Bonn »die Sache dann allerdings Spaß gemacht«. Er spezialisierte sich auf Etatfragen und wurde Vorsitzender des Arbeitskreises Haushalt, Finanzen, Steuern der CDU/CSU.

Den protestantischen Franken Dollinger machten die CSU-Parlamentarier 1957 zum stellvertretenden Vorsitzenden ihrer Bonner Landesgruppe. Vor drei Jahren rückte Werner Dollinger an die Spitze der Bonner CSU-Filiale, und im Juli dieses Jahres wurde er im Parteivorsitz Stellvertreter von Franz-Josef Strauß, mit dem ihn intime gegenseitige Abneigung verbindet.

Ende 1962 zog er als Schatzminister ins Bundeskabinett ein, nachdem die vierte Regierung Adenauer an Strauß zerbrochen war. Wie seine Vorgänger, die CDU-Minister Hermann Lindrath und Hans Wilhelmi, mußte sich auch Dollinger im Bundesschatzministerium hauptsächlich damit befassen, wie der wirtschaftliche Schatz des Bundes geschmälert werden könne. Von den ausgedehnten Industrie -Unternehmen des Bundes hatte Lindrath 1959 die Preußische Bergwerks - und Hütten-AG (Preußag) durch Ausgabe von Volksaktien teilprivatisiert, Wilhelmi im Wahljahr 1961 das Volkswagenwerk. Kurz vor den nächsten Bundestagswahlen will nun Werner Dollinger Volksaktien des Konzerns Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks -AG (Veba) vor allem denjenigen Bundesbürgern anbieten, die wegen geringen Einkommens wenig Möglichkeiten zur Vermögensbildung haben.

Als Experte für Volkskapitalismus gehörte Dollinger auch einer Kommission von fünf Kabinettsmitgliedern an, die unter Vorsitz von Arbeitsminister Theodor Blank in den vergangenen Wochen eine Neufassung des »Gesetzes zur Förderung der Vermögensbildung der Arbeitnehmer« ausarbeiten sollten.

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