Wesensmerkmal der Oberhirten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 116 / 130

Briefe

Wesensmerkmal der Oberhirten
• aus DER SPIEGEL 19/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wesensmerkmal der Oberhirten

Nr. 17/2000, Titel: Der Papst, die Kirche und die Sünde - Rom, die Ewige Stadt im Heiligen Jahr

Papst Johannes Paul II. ist kein »Reformator«, das heißt Umgestalter, Erneuerer. Denn in seinem über 20-jährigen Pontifikat hat er, alles in allem, nichts wirklich bewegt, außer sich selbst auf seinen vielen Reisen. Trotz seiner durch diese Reisen dokumentierten »Weltoffenheit« hat er die römisch-katholische Amtskirche im Innern nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wieder auf streng katholisch-fundamentalistische Linie zurückgebracht. Aber nach außen redete und schrieb er immer wieder salbungsvoll von »Freiheit« als der »Grundlage aller anderen Menschenrechte«. Welche Heuchelei! Die ist freilich ein Wesensmerkmal der katholischen Hirten und Oberhirten.

LEUTKIRCH (BAD.-WÜRTT.) HANS WITTEK

Diese Mega-Versammlungen, auch anlässlich der Reisen des Papstes, sind eine neuerliche, schwerwiegende Verfehlung der Kirche: die völlige Ignoranz gegenüber den immensen Umweltschäden, die durch diesen Massentourismus verursacht werden. Rechnet man noch die Energie- und Rohstoffverschwendung für den ausufernden Andenkenhandel ein - größtenteils unnützer Kitsch -, so hat die katholische Kirche gewiss eine viel schlechtere Öko-Bilanz als mancher Großkonzern!

STEIN (BAYERN) ANGELIKA RÖHNISCH

Die katholische Kirche war nie »Licht der Welt«, sondern bis in unsere Tage immer nur Schlusslicht der Geschichte.

WÄCHTERSBACH (HESSEN) KARL-HEINZ GRASSELT

Vielen Dank für Ihren aufklärenden Artikel über die Verbrechen der Kirche in den letzten nahezu 2000 Jahren. Ich denke, es ist an der Zeit, endlich ein Mahnmal zu errichten, das den millionenfachen Mord der Kirchen anprangert und uns alle auch in späteren Generationen mahnt, solches nicht wieder zuzulassen. Und sollte es den Herren aus Rom wirklich Ernst mit der Bitte um Reue sein, dann sollten sie die Wiedergutmachung nicht vergessen und die geraubten Schätze zum Beispiel den Indianern Südamerikas zurückgeben!

HOLZKIRCHEN (BAYERN) RALPH GUNDLER

Die Geschichte der Kirche Christi ist wenig mehr als ein Bericht über das Unglück, die Torheiten und die Verbrechen, die an der Menschheit verübt wurden. Trotzdem muss diese Geschichte immer wieder neu geschrieben werden, nicht weil neue historische Tatsachen bekannt werden, sondern weil sich der Standpunkt der Betrachter ändert.

HÖCHBERG (BAYERN) KARL KIRCHNER

Ich habe es schon immer gewusst - das Lesen des SPIEGEL bildet! Der 17. Ausgabe im Heiligen Jahr konnte ich staunend entnehmen, dass Petrus eigentlich ein Fischer war und gelegentlich als Sprecher der Apostel auftrat. Da bin ich aber beruhigt. Ich hatte schon befürchtet, er sei der Begründer des »Opus Dei«. Aber nun mal Spaß beiseite. Was würden wir Katholiken nur ohne Rudolf Augstein machen? Wahrscheinlich weiterhin in der kirchengeschichtlichen Finsternis wandeln. Immer wenn wir nicht genau wissen, wie es war, meldet sich Herr Augstein, der dann genau weiß, wie es nicht war.

DUISBURG WERNER KARLBOWSKI

Das Schuldbekenntnis blendet das aktuelle kirchliche Handeln aus. Die von vielen sehnlichst erwartete Aussöhnung mit innerkirchlich diskriminierten »Minderheiten« sucht man vergebens. Hoffentlich müssen Frauen, Schwule, Lesben, mundtot gemachte Theologen, durch den Zölibat geschädigte Frauen und Kinder, Menschen mit gescheiterten Beziehungen nicht wieder 2000 Jahre warten, bis ein Papst dazu die Kraft findet. Ein bisschen mehr Gegenwartsbezug hätte man neben aller achtenswerten und wichtigen Vergangenheitsbewältigung schon erwarten können.

MÜNSTER DIPL.-THEOL. AXEL BERND KUNZE

Dieser Artikel war überfällig. Einige Opfergruppen sind aber vergessen worden. Im Internet (unter www.KirchenOpfer.de) werden noch die 750 000 orthodoxen Serben aufgeführt, die 1941 bis 1943 unter maßgeblicher Beteiligung katholischer Geistlicher und mit stillschweigender Billigung des Vatikans liquidiert wurden. Den Völkermord in Ruanda sollte man auch nicht vergessen, da zum Teil Kirchenangehörige dabei mitgeholfen oder zumindest nichts dagegen getan haben.

KREUZWERTHEIM (BAYERN) GERMAN MURER

Kaum ein Wort über die herausragenden Leistungen und wegweisenden Worte des bewundernswerten Johannes Paul II. Ebenfalls zu vermissen: Eindrücke aus den Reihen der unzähligen Pilger, die den Besuch in Rom zum Heiligen Jahr durchaus als eine Bereicherung ihres Glaubenslebens erfahren haben.

DANNENBERG (NIEDERS.) HAGEN JUNG

Der SPIEGEL hat immer noch nicht begriffen, dass mit der Aufklärung der absolute Führungsanspruch der Kirchen-Hierarchie keineswegs zusammenbricht - das ist auch der Irrtum von Immanuel Kant gewesen. Die Kirchen leben vom Glauben und von der Ideologie, die durch Informationen über Missbrauch und über viele Millionen Opfer »im Namen Gottes« kaum zu erschüttern sind. In dieser Konsequenz lebt und wirkt auch Johannes Paul II. mit den anderen Kirchen-Führern. Deshalb ist er nicht »halbherzig«, sondern konsequent.

METTMANN PFARRER WILHELM DRÜHE

Wenn die Menschen selber die Gestaltung der Welt in die Hand nehmen, muss man um den Menschen fürchten. Den Fehlern der katholischen Kirche stehen Christinnen und Christen gegenüber, die aus Überzeugung zu Jesus Christus und ihrer Kirche manchmal qualvoll sterben mussten. Dem Bericht über die römische Kirche hätte es gut getan, auch darüber einige Zeilen zu verlieren.

HILDESHEIM MANFRED GLOMBIK

Zur Ausgabe
Artikel 116 / 130

Mehr lesen über