Wie ein Smart im Gotthard-Tunnel - DER SPIEGEL
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Briefe

Wie ein Smart im Gotthard-Tunnel
• aus DER SPIEGEL 8/2003
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Wie ein Smart im Gotthard-Tunnel

Nr. 6/2003, Geburt: Kaiserschnitt auf Wunsch - der Trend zur Entbindung nach Terminkalender

Meines Erachtens sollten Frauen, die einen Kaiserschnitt ohne medizinische oder auch psychologisch-psychiatrische Indikation verlangen, dafür auch selbst zahlen. Das wäre nur fair und würde die Kassen entlasten. Ich selbst bin dankbar für das Team von Ärzten und Hebammen, die bei der Geburt meiner Tochter zwölf Stunden intensiv und mit großem, auch körperlichem Einsatz darum rangen, dass es eben kein Kaiserschnitt wurde. Drei Stunden später waren wir wieder zu Hause.

KÖLN DR. KATHRIN KISS-ELDER

Ein trefflicher Artikel, gut recherchiert und längst überfällig! Seit der Ära Seehofer nämlich werden Interventionen wie Kaiserschnitt und Co. deutlich höher bewertet und vor allem besser bezahlt als normale, Frauen stärkende Geburtsverläufe. Wen wundern da diese steigenden Kaiserschnittraten? Der Kaierschnitt als lukrative Verdienstquelle für geburtshilfliche Chefs und Krankenhäuser, denn Wirtschaftlichkeit hat Priorität. Der Kaiserschnitt auf Wunsch steht allerdings nicht im luftleeren Raum. Seine zunehmende Popularität und die Illusion, dass es einfacher sei, ein Kind auf diesem Wege zu bekommen, ist eine logische Folge der übertechnisierten Schwangerenvorsorgepraxis in Deutschland. Nicht Pathologisierung, sondern dauerhafte Stärkung der Gesundheit von Frauen und Kindern sollte das unmissverständliche Ziel der Politik sein!

TÜBINGEN MAGDALENE WEIß

PRÄSIDENTIN BUND DEUTSCHER HEBAMMEN

Ich kenne inzwischen beides: den geplanten Kaiserschnitt (wegen Beckenendlage) und die komplikationslose dreistündige Spontangeburt. Keine Variante war uneingeschränkt empfehlenswert. In das Hohelied des Gebärens als elementares Erlebnis mag ich nicht einstimmen. Geburtsschmerzen bescheren wahrscheinlich so viel inneres Wachstum wie Gallenkoliken. Bei der Sectio weiß man zwar etwas genauer, was auf einen zukommt, doch nach der Spontangeburt hatte ich das Gefühl, dass alles sehr schnell wieder ins Lot kam, seelisch und körperlich. Nichtsdestotrotz sei allen sachlich denkenden Planertypen der Kaiserschnitt auf Wunsch vergönnt (wenn auch nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft!), spätestens bei der Kindererziehung erfährt jede, was Kontrollverlust ist!

BECKINGEN-REIMSBACH (SAARL.) SUSI MINNINGER

Ich finde es prima, dass die Wissenschaft endlich wieder einmal belegen kann, dass die Frau doch letztlich ein schlecht durchdachtes Konstrukt ist. Schön auch die Termini, mit denen dies beschrieben wird. Da fühlt sich die Frau erkannt und verstanden. Vielleicht möchte sie sich aber beim Lesen dann doch lieber ins offene Heft erbrechen, und ihr Mann wird nun endlich erkennen, dass er sich mit der Mutter seiner Kinder lange schon fühlt wie ein Smart im Gotthard-Tunnel. Es bleibt zu hoffen, dass die optimierende Chirurgie im Paket mit der Bauchdeckenstraffung bald das kleine Vaginal-Lifting anbieten wird.

MÜNCHEN KERSTIN CANTZ

Sobald in irgendeinem Bereich unseres Lebens, und besonders im Bereich Geburt und Erziehung, eine Neuerung kommt, gibt's den Stempel »Lifestyle« - sie kann also nur verwerflich sein. Keine medizinische Neuerung wird so attackiert wie der Kaiserschnitt. Da wird am deutlichsten sichtbar, welche Vorstellungen von Mutterschaft so in deutschen Frauenköpfen geistern. Gewiss ist eine natürliche Geburt eine körperliche Höchstleistung, doch diese Aussage klingt für mich nach reinem Egoismus auf Kosten des Kindes. Aber sie schlägt immer wieder an, die Folklore, bei der nur eine natürliche mit Schmerzen belastete Geburt moralischen und ethischen Reinstwert hat und so höchste Priorität für jede gute Mutter zu sein hat. Ich hoffe, dass der Kaiserschnitttrend anhält.

AMSTERDAM MARIE KOCKSKAEMPER

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