Wind - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 7 / 67

Wind

• aus DER SPIEGEL 4/1950
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der »Economist« gebrauchte wüste Worte. Der sonst so britisch-vornehme Wirtschaftswächter der englischen Insel erklärte, die deutsche Außenhandelspolitik sei die eines »Wüstlings«, Außerdem paßt die Aufhebung der Lebensmittel-Rationierung in Deutschland den planwirtschaftenden britischen Labour-Leuten schlecht in den Wahl-Kram Daß das alliierte Veto den von Deutschland eigenmächtig geöffneten Benzinhahn wieder zudrehe, lasse die britischen Besatzer ein »typisch deutsches« Gefühl empfinden: Schadenfreude.

Um der konservativen Anti-Planwirtschaft-Propaganda den Wind aus den Segeln zu nehmen, verglich Dr. Edith Summerskill, Unterstaatssekretärin im Lebensmittelministerium, die deutschen Preise mit denen in England. Unter 100 bis 250 Prozent Ueberpreisen seufze der deutsche Durchschnittsesser. »Beneidet die Deutschen nicht, bedauert sie!« rief Edith. Ihre Angaben kamen dem »Daily Telegraph« verdächtig vor. Er ließ seinen Düsseldorfer Korrespondenten als Preisprüfer wirken. Der stellte fest: Dr. Edith Summerskills deutsche Preisliste sei überholt - die Preise seien inzwischen gesunken. Außerdem hatte die Unterstaatssekretärin übersehen, daß ein deutsches Pfund immerhin fünfzig Gramm mehr wiegt als ein englisches.

Zur Ausgabe
Artikel 7 / 67