Windige Typen - DER SPIEGEL
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Adel Windige Typen

Das Fürstenhaus Hohenzollern läßt sich als Warenzeichen eintragen - zum Schutz vor betrügerischen Namensräubern.
• aus DER SPIEGEL 14/1993
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hoch droben auf dem Berg thront die Burg, mit zackigen Türmen und wehrhaften Zinnen. Drei Zugbrücken schützen vor Eindringlingen, und in alten Tagen half das auch meist.

Neuerdings nicht mehr. Da schleichen sich mehr und mehr Leute meist niederen Standes ein, mit zivilen, aber wirksamen Mitteln: Adoption, Vermählung, notariellen Namens-Nutzungsverträgen.

Meist finden sie Kollaborateure in den Reihen der Familie, verarmte Verwandte, deren Name noch heute Glanz und Gloria und also Gewinn verheißt: Hohenzollern.

Das Geschlecht, das auf der Burg über Hechingen am Rande der Schwäbischen Alb seinen Stammsitz hat, brachte Kaiser und Könige hervor, den Preußen-König Friedrich II. beispielsweise, genannt der Alte Fritz, und unseren Kaiser Wilhelm Zwo.

Heute bereichert sich eine zweifelhafte Gesellschaft auf Kosten des Hauses: Spekulanten und Bankrotteure, Betrüger, ein Nacktmodell gar und eine welke Jetset-Blondine.

Das soll jetzt ein Ende haben. Erbprinz Karl Friedrich von Hohenzollern, 40, _(* Vor dem Familien-Schloß in ) _(Sigmaringen. ) Thronfolger der schwäbischen Linie des Hauses und Vorsteher der Fürstlichen Hofkammer, hat den Namen schützen lassen - als schlichtes bürgerliches Warenzeichen, als Marke wie Maggi oder Persil.

Die erste Ware aus dem Hause wurde Ende voriger Woche vorgestellt: ein Wein- und Sekt-Sortiment. Weiteres soll folgen: Schokolade und Pralinen, Damen- und Herrenmoden, Duftwässerchen und Rasierschaum, Vermögensberatung und Börsenmaklerei. Prinz Karl Friedrich will, simples Rezept, all die Felder selbst besetzen, auf denen sich Trittbrettfahrer tummeln können: »Mit dem Namen Hohenzollern läuft dann überhaupt nichts mehr.«

Die Sippe aus dem Schwäbischen, als deren Oberhaupt der Kaiser-Enkel und Preußen-Häuptling Louis Ferdinand, 85, fungiert, ist die erste Feudal-Familie, die sich als Markenartikler schützen läßt.

Von rufschädigenden Namensräubern werden auch andere heimgesucht: Rekordopfer ist die Familie derer von Anhalt, die vor allem dank einer barschaftsbedürftigen Prinzessin allein in den letzten paar Jahren mindestens zehn Neuzugänge von minderem Stand verkraften mußte.

Müllers und Thurnhubers kamen so zu einer Prinzenrolle. Geadelt wurden auch diverse US-Bürgerinnen dank der regen Heiratstätigkeit des - selbst unechten - Prinzen Frederic geb. Lichtenberg, 49, der schon mal innerhalb von vier Tagen drei Amerikanerinnen gefreit hat, um sich hernach gleich wieder scheiden zu lassen.

»Das greift halt immer mehr um sich«, seufzt Silve von Hueck, 57, Mitarbeiterin im Deutschen Adelsarchiv in Marburg. Das neue Namensrecht, nach dem Männer auch den Namen der Frau annehmen und künftig nach einer Scheidung auch behalten dürfen, fördert die galoppierende Adels-Inflation noch, klagt Albrecht von dem Borne, 55, Geschäftsführer der Vereinigung der Deutschen Adelsverbände: »Wir sind da machtlos bei den ganzen neuen Grafen, die da plötzlich rumlaufen.«

Auch die ruhmreichen Hohenzollern mußten tatenlos zusehen, als sich in Frankfurt eine kriminelle Bande unter dem edlen Namen Millionen mit gefälschten Warentermin-Optionen ergaunerte. In Bremen betrieb ein vorbestrafter Betrüger Immobiliengeschäfte; in Zürich wurden dubiose Aktiengesellschaften gegründet und angebliche Weinraritäten und Antiquitäten verscherbelt - alles unterm Hohenzollern-Wappen.

Quelle war meist Prinz Emanuel Joseph von Hohenzollern, 64, nach Berechnungen von Bild am Sonntag mit einem Tageseinkommen von 1,75 Mark »Deutschlands ärmster Prinz«. Der logiert in der Villa Eugenia zu Hechingen, dem Heim für bedürftige Familienmitglieder, ernährt sich vor allem von Dosenbier und dem Verleih seines Namens gegen Gebühr. Einmal mußte er bis zum Bundesgerichtshof ziehen, um ihn von einem Betrüger zurückzukriegen.

Auch von seinem Sprößling wollen alle nur den Titel: Prinz Carl Alexander, 22, in der Regenbogenpresse allgemein »der geile Depp« genannt. Er leidet an einer Lese-Rechtschreibschwäche und einer unkritischen Neigung zu aufstiegswilligen Damen.

Seine Ehe mit der blonden Angela ("Angie") Stölzle, 52, einer Ex-Gefährtin des Titelhändlers Konsul Weyer, mußte er kürzlich annullieren lassen, wegen legastheniebedingter Probleme bei der Unterschriftsleistung. Die Affäre mit dem türkischen Modell Hülya Ejder, 24, beendete er auch gleich: »Bei Angie mußte ich den Pferdeknecht spielen. Bei der Türkin war ich der Hampelmann.«

Mit seinem Vorstoß auf den Markt will der Clan nun verhindern, daß »irgendwelche windigen Typen« weiterhin auf Hohenzollern-Kosten ihr Konto füllen. »Das war das Motiv«, sagt Erbprinz Karl Friedrich, der von seinem Büro im Sigmaringer Schloß - Ahnen an den Wänden, Designerleuchte auf dem Tisch - das bislang vorwiegend aus Wäldern bestehende 690-Millionen-Imperium steuert.

Für das Adels-Label ließ der Prinz und Betriebswirt ein professionelles Marketing-Konzept ausarbeiten. Mit dem feudalen Namen, der nach Marktstudien eindeutig »positiv aufgeladen« ist, will er ein »Stück Lebensgefühl« verkaufen, »Kultur«, kurz: »Adel«.

Der »aristokratische Auftritt der Marke« hub letzte Woche an mit Wein und Sekt unterm Etikett »Prinz von Hohenzollern« (Warenzeichen M 9201468.2, US-Trademark 1 606 112). Diese Marktöffnungsstrategie findet ihre tiefere Begründung, so der Hochglanzprospekt, in der anerkannten »Genußkompetenz des Fürstlichen Hauses«, die, das dokumentieren eindrucksvolle Werbebildchen von höfischen Gelagen, seit alters her ihre Heimat hat bei den Hohenzollern.

Und um die Volksversorgung mit Nahrung & Genuß hat sich auch ein Ahn höchstselbst verdient gemacht: Preußen-König Friedrich II. führte als erster den Kartoffelanbau ein in deutschen Landen.

»Suum cuique«, lautet der Hohenzollern-Werbeslogan: »Jedem das Seine«.

[Grafiktext]

__59_ Stammtafel der Hohenzollern: schwäbische und preußische Linie

[GrafiktextEnde]

* Vor dem Familien-Schloß in Sigmaringen.

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